Für ein besseres Mundgefühl

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass mein Mundgefühl nicht optimal ist. Das Hautgefühl ist entspannt als ich mit meinem Augengefühl am Hauptbahnhof von Düsseldorf mehrere Werbestudenten entdeckt habe, die mir ungefragt mehrere Mini-Päckchen mit Lutschbonbons gegeben haben, ähnlich wie die Produktproben letztens. Auf dem Weg vom Gleis zum Ausgang habe ich dann durch 4 Werbe-Engel mehr als 8 Packungen bekommen.

Was ist dran am Mundgefühl? Ich muss als Mann wahrscheinlich sensibler werden. Da kannte ich nur das flaue Gefühl nach erklecklichem Alkoholkonsum, der sich einstellt, wenn man sich den Abend nochmal „durch den Kopf gehen“ lassen muss. Oder man sich seit zwei Tagen nicht die Zähle geputzt hat. Beides kommt bei mir selten vor, aber vielleicht kann man das schlechte Mundgefühl auch bekommen wenn man es sich einreden lässt.

Was ist dran am Bonbon? Es ist ziemlich klein, vergleichbar mit „Fishermen’s Friends“. Kein Zucker, das kennen wir von den „Zahlpflege“-Produkte ja schon. Das nicht alles zahnfreundlich ist, was keinen Zucker erhält, soll jetzt als allgemein bekannt gelten und wird nicht weiter besprochen. Was „Mikrogranulate“ in einem Bonbon zu suchen haben, kann ich nicht ganz durchblicken. Wenn ich Scheuermilch trink, habe ich einen ähnlichen Effekt? Es soll die Zunge putzen, genau wie die wellige Unterseite des Bonbons.

Ohne eine in wissenschaftlichen Tests (dermatologisch geprüft?) bewiesene Wirkung (die auch andere Produkte auf dubiose Weise vorschieben) vorwegzunehmen, muss ich sagen, dass mein persönlicher, subjektiver Eindruck nicht zufriedenstellend ist. Der Geschmack ist definitiv schwach, was an den Zuckerersatzstoffen liegen kann. Die raue Fläche hat bei mir für kein besseres Mundgefühl gesorgt, was unter Umständen daran liegt, dass ich unsensibel dem Mundgefühl gegenüber bin.

Alles in allem würde ich mir die Bonbons nicht kaufen. Die sind überflüssig wie Calgonit oder Wasser-Verbesserer. Wenn mir schon keine Wirkung auffällt, sollte wenigstens der Geschmack stimmen. Wer Interesse an Gratis-Proben hat, ich kann noch welche Verschicken. 😉

Werbeanzeigen

Werbe-Blitzkrieg von Toyota: Sehet da, der Auris


Die Leuchtreklame wirkt vor allem nachts.

Hast du auch schon den neuen Auris gesehen? Den Wagen an sich wahrscheinlich nicht, aber die Plakate. An der Werbung kommt man zurzeit nicht vorbei. Toyota hat deutschlandweit alle verfügbaren Plakatwände, Litfaßsäulen, Lichtwerbeträger und Wartehäuschen gemietet, die man kriegen konnte.


Benachbarte Plakatwände werden zusammengelegt.

In Zahlen sind das etwa 200.000 Objekte von ungefähr 400.000 möglichen. Teilweise wurden auch bauliche Maßnahmen durchgeführt um der Kampagne noch mehr Attraktivität zu liefern: Benachbarte Plakatwände wurden zusammengelegt. Die ohnehin schon auf Zusammenhalt konzipierten Motive konnten so lückenlos zusammengefügt werden; die begrenzenden Plakat-Umrandungen wurden entfernt. Die Plakat-Aktion kostet ru8nd gerechnet 30 Millionen Euro und ist auf 10 Tage angelegt.

Es gibt keinen Ort mehr in einer Innenstadt, an dem man nicht auf die Auris-Plakate gucken kann. Dabei ist die Aussage der Werbung sehr dünn: „Schaut da, der neue Auris“. Wenn man ihn sich dann anschaut, bekommt man einen schwarz-glänzenden Wagen in der Wüste zu sehen, der von Bungee-Springern, Gassi-gehenden Männern und deren Schäferhund, Fahrradfahrern, älteren Männern auf einer Parkbank und anderen Menschen und Objekten angesehen wird. Ein Auto in der Wüste mit Parkbank? OK, man soll sich auch nur den Wagen anschauen.


Flächendeckend werden Haltestellen ausgestattet.

Durch die Radio-Reklame, die es auch noch gibt, bin ich dann darauf gekommen, dass es mehr geben muss. Vielleicht sogar Inhalt, Fakten. In einigen der zusammengestellten Plakaten (nicht in den Einzel-Plakaten) sind Begriffe „versteckt“. Sie stehen meist rechts unten auf einem abgesetzten Stern und dort steht dann: „Augen auf: Knieairbag“. Heyo, endlich mal ein Hauch von Information.

Diese Begriffe sind natürlich auch nur Mittel zum Zweck. Wer also dahin gefixt wurde, diese Plakatwände nicht nur nicht mehr ignorieren zu können, sondern sich noch aktiv damit befasst hat, der ist endlich in die Werbefalle gelaufen. Er darf sich die acht unterschiedlichen Begriffe merken und auf der Webseite eingeben um an einem Gewinnspiel um 10 Autos teilzunehmen.


Plakatwände setzen sich aus halben Straßenzügen zusammen.

Das ist freilich auch ein Messinstrument zur Reichweite und Effektivität der Werbung und anschließend darf man den Aspiranten noch mit E-Mails beglücken. Ein Handy-Programm mit dem Gewinnspiel kann man sich auf der Webseite auch bestellen. Wer alle acht Begriffe richtig hat, darf auch das komplette Profil mit Geburtsdatum, Telefonnummer und Anschrift abgeben. Die Daten werden dann auch nur Toyota und allen Händlern (wahrscheinlich denen in meiner Nähe) mitgeteilt, ich darf aber jederzeit kostenfrei widersprechen.

Es ist allerdings nicht vorgesehen, die Daten kostenfrei vorzuenthalten, es ist alles Pflicht. Die Telefonnummer vom nützlichen Service, der Werbeanrufe abwimmelt, Frank geht ran, ist leider schon eingetragen. Es kann übrigens auch nicht nachgewiesen werden, dass die Äußerung von Renate Künast als Vorstufe dieser Werbeaktion gelten kann: „Kauft Toyota!“

Verkaufsoffener Sonntag in Rüttenscheid

Männer kaufen nicht gern ein. Das ist ein Fakt. Wenn wir einkaufen, dann gezielt, schnell und effektiv. Rein, Lage sondieren, Opfer fokussieren, jagen, erlegen, bezahlen und ab nach Hause. Mehr Zeit für die Playstation.

Frauen – ich denke, es ist schon fast bewiesen – haben einen komplett anderen Bezug zum Einkaufen. Es ist Entspannung, soziale Pflege und man kann sich alles so schön genau angucken. Gerade wenn man meint, die Frau würde den laden verlassen, taucht unvermittelt auf der linken Seite eine Sonderfläche auf, die eine magische Anziehungskraft besitzt wie ich sie sonst nur bei Kindern im „Toys-R-Us“ gesehen habe.

Am vergangenen Sonntag war ein verkaufsoffener Tag in einem Stadtteil von Essen, Rüttenscheid. Ein Feiertag, könnte man meinen. Solche verkaufsoffenen Sonntage sind, wenn ich richtig informiert bin, auch an feiertagsähnliche Daten gebunden. Irgendeinen Anlass braucht man. Ich weiß den Anlass nicht, aber es schien die Sonne, es war ein richtiger Frühlingstag und Rüttenscheid war auf den Beinen.

Zunächst fand ich das auch ganz lustig, es waren Straßenmusiker unterwegs von der Blaskapelle bis zur brasilianischen Trommlergruppe. Und die Läden sind so schön klein. Und die Sachen sind alle so putzig. Nach einer Stunde hatte ich eigentlich schon genug. Dann kam Douglas (der auf der rechten Seite, auf der linken Seite gibt es noch einen Douglas und eine weitere Parfümerie) und meine Freundin war für eine halbe Stunde mindestens in dem Laden. Ich ging raus und stellte mich neben dem Baum. Ich hoffe, es war ein Baum und nicht ein weiterer Mann, der bereits Wurzeln geschlagen hat. Sie kam raus mit einer Pröbchenflasche und freute sich, dass die nur drei Euro kostet.

In einem anderen Laden gab es eine lächerlich kleine Schale (Schälchen wäre übertrieben, es muss noch kleiner sein), die mit einer Samtschicht überzogen ist. Angeblich spülmaschinenfest, mal sehen. Kostenpunkt sechzehn Euro. Niemand hat gesagt, dass guter Geschmack nicht teuer ist.

Nach etwa drei oder vier Stunden durfte ich dann nach Hause. Bitte keine verkaufsoffenen Sonntage in den nächsten Wochen.

Infos über verkaufsoffene Sonntage in Essen-Rüttenscheid unter igruettenscheid.de.

Cabriofahrt

Gestern war der erste vernünftige Tag, an dem man mit dem Cabrio cruisen kann. Die Tour ging über Essen, Hattingen, Velbert und zurück. Durch Bergstraßen, über Feldwege, vorbei an Pferden und Motorrädern.

Heute gibt es wieder Regenschauer, Hagel, Wolken; aber auch Sonne. Typisches April-Wetter.

„Alles Walzer…“ beim Philharmonieball in Essen

Ich gehöre zu den glücklichen vierzig Debütanten-Paaren beim Ball in der Essener Philharmonie, der am 2. März 2007 stattgefunden hat. Es ist ziemlich anstrengend. Vor allem nervt einen das Üben mit der Zeit, da die Termine jeden Sonntagmorgen in der Tanzschule waren. Wir haben seit September geübt, sieben Monate lang. Den Einmarsch, die Quadrille und den Wiener Walzer.

Schließlich war es so weit, der große Tag ist gekommen. Ich stecke in meinem 300-Euro-Anzug, meine Freundin im geliehenen Brautkleid, noch schnell einen Happen gegessen und um 17 Uhr müssen wir da sein.

  • 17:00 Uhr, Künstlereingang an der Philharmonie

Wir kommen mit dem Taxi an und entdecken unsere Tanzlehrer, so falsch sind wir also nicht. Im Probensaal ist unsere Umkleide hergerichtet, Frauen haben einen abgetrennten Bereich, die Jungs können sich ruhig in aller Öffentlichkeit bis auf die Unterhose ausziehen. Habe ich „Gleichberechtigung“ gehört? 🙂 Ein Fernsehteam des Westdeutschen Rundfunks ist uns auf den Fersen.

Die Frauen werfen sich in die teilweise sehr ausladenden und reichlich verzierten Kleider, manche Jungs vertreiben sich die Zeit mit Kartenspielen. Das Alter der Teilnehmer ist unterschiedlich: von 17 bis 37 ist alles vertreten, Singles, Paare, Eheleute.

  • 19:00 Uhr, Alfried Krupp Saal in der Philharmonie

Die erste Generalprobe mit Orchester. Der Einmarsch ist sehr langsam. Wir kommen kaum vom Fleck. Das geht in den Rücken, meiner Freundin in die Füße. Ihre Tanzschuhe sind etwas zu eng und die Füße werden nicht kleiner mit der Zeit. Das Geübte sitzt, die Koordination ist noch nicht optimal. Allerdings ist nach dem Einmarsch das Orchester etwas zu schnell, was uns sehr überrascht und so kommen wir deutlich aus dem Tritt bei der anschließenden Quadrille.

Diese eine Probe muss ausreichen. Das Orchester geht in ihre Umkleiden um Anzug und Uniform anzuziehen, wir üben den Einmarsch nochmal mit dem Tonband. Schmerzen und Anspannung nehmen zu. Nachdem der Teil absolviert ist und wir die endgültige Startaufstellung erreicht haben, kommt erstmal ein Fototermin auf der Treppe. Leider haben drei Paare es nicht geschafft und können nicht mittanzen, da sie überzählig sind.

  • 20:00 Uhr, irgendwo in der Philharmonie

Wir müssen warten. Wer will, besucht das Künstler Foyer („KüFo“), bleibt in der Umkleide oder läuft irgendwo in den Katakomben herum. Damen, die ein eigenes Kleid mitgebracht haben, dürfen sich umziehen und zum Zeitpunkt des Einlasses auch unter den Gästen herumlaufen. Mache haben die ganze Verwandtschaft eingeladen. Ich genehmige mir ein paar belegte Brötchen und etwas warme Cola im KüFo.

  • 21:00 Uhr, das Foyer der Philharmonie

Der Einlass hat begonnen. Die Menschen mit Rang und Namen finden in Abendgarderobe den Weg zu dem gesellschaftlichen Ereignis in Essen. Wer mag und wer es braucht, bekommt im Foyer von unseren Tanzlehrern nochmal einen Crashkurs im Wiener Walzer. Ansonsten wird der Champagner zu 12 Euro an den Stehtischen getrunken, man besetzt die Tische, die teilweise nur mit Glück und Beziehung zu buchen sind.

Wir bekommen die Ansage, dass wir um 22:05 Uhr im Probesaal anwesend sein müssen um dann zum großen Saal geführt zu werden.

  • 21:40 Uhr, Probesaal im zweiten Stock

Die letzten Frauen kommen, um ihr offizielles Ballkleid wieder anzuziehen. Es kommt zum ersten mal etwas wie Lampenfieber auf. Die Männer bekommen jetzt auch eine Rose ans Revers, die frischen Blumensträuße werden unter den Frauen verteilt. Wir warten gebannt darauf, abgeholt zu werden. Der Ablauf hängt um drei bis vier Minuten.

Endlich werden wir von zwei Angestellten der Philharmonie abgeholt. Unten kommt unsere Tanzlehrerin zu uns, die Aufregung nimmt zu. Geplant war der Einmarsch für 22:30 Uhr. Wir hängen im Zeitplan. Ein Fotograf macht Paar-Fotos von jedem Pärchen. Eine Angestellte der Philharmonie mit schickem Gucci-Täschchen steht per Funk mit der Regie in Kontakt. Im Täschchen ist gerade mal das Funkgerät, die sperrige Antenne schaut heraus und mit dem Knopf im Ohr und dem Mini-Mikrophon hat sie auf dem zweiten Blick Ähnlichkeit mit einer Personenschützerin oder einer Geheimdienstagentin.

  • 22:35 Uhr, vor dem Alfried Krupp Saal

Wir versuchen, Ruhe zu bewahren. Der Saal ist komplett befüllt. Die gesamte Fläche unten, alle beiden oberen Ränge, die Leute stehen teilweise. Alle möchten uns sehen. Schließlich öffnen sich die Türen und die Musik, die wir seit einem halben Jahr auswendig kennen, dringt heraus. Wie in Trance fangen wir an zu laufen. Im Gleichschritt links, rechts, links, rechts. Reflexartig hat sich ein Lächeln in meinem Gesicht fest gebissen. Kameras, Fotoapparate, Vertreter der Tageszeitungen, des WDR, offizielle Fotografen der Tanzschule und der Philharmonie, der Bürgermeister der Stadt, viele Privatpersonen, alle Augen auf uns. Und ich lächele.

Die Angst, dass die beiden Linien, die synchron einziehen, sich nicht abstimmen können, da der Abstand von ungefähr 40 Metern zu groß ist oder Personen die Sicht verdecken, ist unbegründet. Es sind auch keine Debütanten gefallen, zumindest habe ich keine fallen sehen. Keine Beulen laufen, gerade Reihen halten, nicht den Anschluss verlieren, links, rechts, links, rechts, lächeln, links, rechts.

Der Saal ist bis unters Dach gefüllt: 1750 Personen sind zum Einmarsch der Debütanten anwesend. Die Aufstellung nach dem Einmarsch ist in Ordnung, jetzt bloß nicht wieder zu schnell bei der Quadrille. Die läuft vollautomatisch ab. Das Gelernte spult sich wie ein Programm ab, kein Gedanke an Ausrutschen oder Fehltritte. Auch der Wiener Walzer danach macht keine Probleme. Jetzt kommt mein Angst-Augenblick. „Alles Walzer!“ Es gibt vier Reihen, die beiden äußeren Reihen sollen jeweils eine Person aus dem Publikum zum Tanz auffordern. Fremde Menschen. Und ich stehe in der äußeren Reihe.

Ich suche mir die sympatischste Frau heraus, die in der Nähe sitzt. Es ist ihr erster Besuch des Philharmonischen Balls, genau wie meiner. Die Tanzfläche füllt sich. Alle Personen versuchen nun, ihr Stückchen auf der Tanzfläche zu reservieren, bald reicht der Platz nicht einmal zum Drehen und man kann nur noch hin und her wiegen. Der Tanz ist nach drei Minuten vorbei und ich habe es geschafft.

  • 23:00 Uhr, Champagner-Stand

Jetzt kann ich mich beruhigen. Das Gröbste ist hinter mir. Für die Aufregung habe ich Verzehrkarten, Backstage-Karten (für die Garderobe), Platzkarten (im obersten Rang mit Sichtbehinderung) und Flanierkarten zum Tanzen. Eine Komplettausstattung, die ich mir sonst mit Geld nicht hätte leisten können.

Die Nacht wurde noch lang. Die zwei weiteren Show-Punkte habe ich mir angesehen. Da erst begreife ich, dass wir auch im Rampenlicht standen. Wie es von außen aussieht, wie groß der Saal ist und wie konzentriert man arbeiten muss. Bis morgens um drei Uhr wurden Walzer, Cha-Cha, Rumba, Foxtrott und Tango getanzt. Ein außergewöhnlicher Abend, der viel zu schnell vorbei ging. Ein gesellschaftliches Ereignis, auf dass wir uns ein halbes Jahr lang vorbereitet haben.