Reise nach Jerusalem

Florians persönlicher Blog

Spam der Woche: Nachbarschaftsdienst

Posted by Florian - 10. November 2007

Eigentlich achte ich nicht auf die Links im gmail-Account, die in der WebClip-Zeile angezeigt werden. Es sind abwechselnd Nachrichten und Werbe-Links. Wie zum Beispiel zu dem Dienst, den ich jetzt beschreiben möchte. Er wirbt damit, meine Nachbarschaft besser kennenzulernen.

Alles fängt harmlos an: Es gibt eine bunte Webseite mit einem Formular, mit dem man augenscheinlich suchen soll. Ich möchte nicht ganz so viel von mir preisgeben, also erstmal nur die Postleitzahl. Dank AJAX kommt dann auch flux meine Stadt ins Formular. Reicht ihm nicht, er möchte auch Straße und Hausnummer. Gut, auch noch eingetippt. Geburtsdatum? Naja, meinetwegen. E-Mail-Adresse? Wofür denn jetzt, ich will doch nur Nachbarn suchen…? OK, es gibt AGBs und Datanschutz-Erklärung, also noch meine Spam-Adresse angegeben.

Bekomme ich jetzt Nachbarn zu sehen? Natürlich nicht. Und warum? Ich bin so mutig zu behaupten, es kommt dem Dienst gar nicht darauf an. Gar nicht groß versteckt direkt auf der Hauptseite steht, dass der Dienst 14 Tage kostenlos ist und danach 9 Euro monatlich für 24 Monate fällig werden. Kurz gerechnet: 216 Euro, cash in die Tesch.

Ich habe immer noch keine Mail bekommen, aber jetzt ist die zumindest schonmal im Spam-System drin. Die Datenschutzbedingungen zitieren einschlägige Disclaimer mit Bezug auf die deutschen Gesetzesbücher Teledienstdatenschutzgesetz und Bundesdatenschutzgesetz. Ein paar Seiten weiter im Impressum habe ich ein leichtes Deja Vu. Der Dienst wird von der netsolution FZE in Dubai (Postfach 4404 in den Twintowers) betrieben und eine schweizer Firma in Ascona macht die technische Umsetzung. Mit deutschem Datenschutz und „.net“-Adresse.

Witzig ist die Wiederrufsbelehrung in den AGBs. Man hat den Wiederruf in Textform zu richten an: (Anschrift in Dubai), (Anschrift in der Schweiz), (E-Mail in der Schweiz). Ah, das hört sich einfach an. Schreibe ich die in Dubai an oder eine Mail in die Schweiz? Egal… Das Widerrufsrecht erlischt ohnehin (laut AGB) wenn ich den Dienst genutzt habe. Ich bin kein Jurist, aber das ist nicht ganz im Sinne des Erfinders. Und dann diese Templates… „Sämtliche datenschutzrechtlichen Gesetze und Bestimmungen werden von (Name des Nachbarschaftsdienstes) genauestens befolgt.“

Bleibt mir nur, alle Leute zu mahnen und zu warnen, aufmerksam das Kleingedruckte zu lesen. Dann müsst ihr euch nicht in einschlägigen Foren wiederfinden:

Update, 11.11.07: Ich habe eine Mail erhalten, auf die ich mit einem Widerspruch mit Hinweis auf §119 BGB reagiert habe.

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