Essen, die Einkaufsstadt: Das neue Zentrum am Limbecker Platz

Essen die EinkaufsstadtWenn man am Hauptbahnhof von Essen ankommt und Richtung Einkaufsstraße schaut, sieht man auf dem Handelshof die großen Leuchtbuchstaben „ESSEN DIE EINKAUFSSTADT“. Diese Bezeichnung ist spätestens seit Eröffnung des CentrO in Oberhausen so eine Wunschvorstellung wie die Aktion Gelsenkirchens vor einigen Jahren, die in der Innenstadt Schilder mit der Aufschrift „Gelsenkirchen – Stadt ohne Gewalt“ aufgestellt hat.

Essen hat einiges zu bieten, aber als Einkaufsstadt habe ich es nie gesehen. Im Essener Zentrum gibt es drei Haupt-Einkaufsstraßen, die Kettwiger Straße, die Limbecker Straße und das City-Center am Porscheplatz. Diese Straßen bilden ein Dreieck und sind eher im alten Stil der Innenstädt aufgebaut. Das City-Center war ein mutiger Schritt in Richtung Shopping Mall: Eingeschössig, überdacht, einheitliche Ladenfront, im Untergeschoss eine Bus- und U-Bahn-Station.

Am Ende der Limbecker Straße findet sich das Karstadt-Gebäude wie ein Palast aus dem letzten Jahrhundert. Viele kennen es als Ausblick aus dem CinemaxX-Multiplex. Das Gebäude ist nicht nur steinalt sondern auch denkmalgeschützt. Trotzdem kam Karstadt ein Plan, Weltstadt zu werden. Die benachbarten Häuser von Karstadt und Sinn Leffers sollten abgerissen bzw. entkernt werden und es wird eine riesige Shopping Mall an die alte Stelle gesetzt.

Baustelle April 2007
Vorher - Baustelle im April 2007

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Katholiken sterben aus, Moslems erobern die Welt

Reißerischer kann man Überschriften kaum noch gestalten. Gut, man kann, aber dann muss man schon bei der BILD-Zeitung gelernt haben. Aber kommen wir zu den Fakten. Der Vatikan hat durchgezählt, geschätzt und Statistiken gewälzt und selbst geschrieben und am Ende kommt raus, dass es bereits 2006 weltweit mehr Muslime als Katholiken gab. Was für eine Nachricht.

Aber die eigentliche Nachricht passiert erst im Kopf. Aus der statistischen Erhebung des Vatikans wird ein Angriffskonzept. Allein die offizielle Erklärung, wie es zu dem Machtwechsel kommt: Islamische Länder haben ein größeres Bevölkerungswachstum.

Auch interessant, wie man auf die Nachricht reagiert. Ein Kollege von mir sagte spontan: „Dann ist ja bald wieder Zeit für einen Kreuzzug„. Wie wahr, wenn man sich nicht selbst vermehrt, sorgt man dafür, dass der andere es auch nicht kann. So kommt man unumwunden auch zu den Krisengebieten im Iran, Irak, Afghanistan, Indien und wo sonst noch Muslime leben. Ein Schimmer von Tibet schwingt auch noch mit.

Die Statistik des Vatikans lässt allerdings noch nicht alles vorbei sein. Man rechnet mit einer 33%igen christlichen Weltbevölkerung. Wobei nicht nur ich mir die Gretchenfrage stelle. Im Forum des Tagesspiegels fragt ein „lukas“ kritisch nach:

Die Frage ist doch: Wieviele wahre Katholiken gibt es? Wieviele Menschen nehmen tatsächlich das Apostolische Glaubensbekenntnis ernst, demnach Jesus tatsächlich seine eigene, durch den Heiligen Geist inseminierte, Mutter defloriert habe, sowie drei Tage nach Ableben vollständig reanimiert himmelwärts fuhr und nun seit beinahe zweitausend Jahren rechts seines Papis sitzt? (…) Wer dies nicht für bahre Münze nimmt, mag vielleicht Vereinsmitglied sein, ist aber kein gläubiger Katholik! (Noch, nebenbei, evangelischer Christ.)

Eine Aufrechnung in fanatische Christen, fanatische Juden und fanatische Muslime möchte ich allerdings nicht berechnet sehen. Auch die Möglichkeit eines Kreuzzuges möchte ich nicht in Anspruch nehmen. Wobei ich kürzlich erst in der Zeitung von den neuesten El-Kaida Marketingmaßnahmen gelesen habe: Al-Sawahiri beantwortet Leserfragen. Und dabei fällt es ihm auch aus dem Bart, dass „Kreuzfahrer“ in Irak und Afghanistan sind.

Ich bin ihm dankbar für das Wort, das ich bisher nur mit Traumschiff und Südsee in Zusammenhang gebracht habe. Wie Straßenkreuzer. Dass die Kreuzfahrt ein Kreuzzug zu See sein könnte, … ich bin manchmal naiv.

Übrigens, die Nachricht stand mal wieder zuerst auf Spiegel Online. Nachdem Telepolis die Nachricht übernahm, hat die taz zum ersten April eine winzige Textbox auf der zweiten Seite geschrieben.