Essen wird umgebaut – der Verkauf geht weiter

Und? Schon mal in meiner schönen Heimatstadt Essen an der Ruhr gewesen? In letzter Zeit? Ein Kollege von mir war am Hauptbahnhof von Essen und fluchte nicht schlecht und sprach mir aus der Seele. Das kann man doch in einer Stadt nicht machen! Essen wird gerade fast komplett umgebaut. Es erinnert mich in Grundzügen an Berlin, nur nicht so groß. Und vielleicht auch nicht so schön. Aber mit Sicherheit genauso bescheuert mit Baustellen gepflastert.

Der komplette Hauptbahnhof ist gesperrt. Täglich mehr als 130.000 Reisende, unterm Bahnhof eine U-Bahn mit acht Bahnsteigen und nebenan ein Busbahnhof. Das Drehkreuz für Reisende von und nach Essen. Alles teilgesperrt, umgezogen, verlegt, geschlossen.

Vogelperspektive Essen Hauptbahnhof
Vogelperspektive Essen Hauptbahnhof

Und trotzdem funktioniert alles weiter. Nebeneingänge sind als Rinnsale die einzige Einfalltore für die zahllosen Berufspendler. Ehemalige Solzialräume dienen als Bäckerei. Bauwagen als Kiosks. Der Busbahnhof ist umgezogen, die U-Bahn fast komplett geräumt.

Wofür macht man das? Essen will sich herausputzen. Essen ist Hauptstadt, also muss man auch aussehen wie eine Hauptstadt. Eine Kulturhauptstadt 2010. Das hat zur Loveparade 2007 auch niemanden interessiert. Die Hauptkundgebung fand in Sichtweite zum Berliner Platz statt, dem größten Bauplatz, den ich je gesehen habe. Das komplette Karstadt-Gebäude niedergerissen und zusammen mit Sinn zu einer Shopping-Mall wieder aufgebaut. Offenbar hat es niemanden interessiert. Offenbar hat sich niemand geschämt.

Für regelmäßige Pendler wie mich ist es eine Mischung aus Tortur und Abenteuer, täglich den Bahnhof nutzen zu müssen. Am Nebeneingang sind regelmäßig Bahn-Angestellte, denn das Reisezentrum ist auch nicht wirklich in Betrieb. Von einem Gleis zum nächsten zu kommen ist komplizierter als eine chinesische Bastelanleitung. Wilde Schilder lotsen einen in alle Richtungen.

Das kann doch nicht ernst gemeint sein! Das Innere des Bahnhofs ist in zwei Etagen gebaut. Unten kommt man rein, oben geht man zu den Gleisen. Kann man nicht erst die eine, dann die andere Ebene sperren und umbauen, damit der Haupteingang benutzbar bleibt? Und überhaupt, was tut sich da? Seit fast zwei Monaten ist alles zu, Arbeiter oder Arbeiten sind nicht zu erkennen. Nicht, dass die Zeit drängt. 2010 ist ja noch lange hin. Wenn man 2010 sagt, meint man sicher auch ENDE 2010.

Für mich sieht’s so aus, als ob man wieder die falschen Leute gefragt hat. Oder Geld sparen wollte. Mit dem jetzigen Elan wird man bis Ende 2009 nur eine Baustelle haben, die man der Welt stolz präsentieren kann. Die U-Bahn wurde bereits umgebaut und freundlicher gemacht. Nachdem die Wand-Platten ohnehin schon von alleine abgefallen sind, hat man alle abgenommen. Was darunter lag, war auch nicht schön, dafür hat man alles noch blau und gelb angestrahlt – fertig.

Das sieht so scheiße aus, dass ich mir fast schon wünsche, in Gelsenkirchen zu wohnen. Die U-Bahn dort sieht um Welten besser aus. Aber jetzt wird ja der komplette Unterbau des Essener Hauptbahnhofs renoviert. Ob es überflüssig, zu teuer oder nur falsch geplant ist, kann ich bis jetzt nicht sagen. Aber irgendwie hätte es doch nicht so dermaßen massiv sein müssen.

Siehe auch:

Essener Hauptbahnhof von außen
Essener Hauptbahnhof von innen
Essener Hauptbahnhof von innen
Baustellenschilder im Bahnhof
Geschlossene Geschäfte im Bahnhof
Geschlossenes Reisezentrum
U-Bahn in Essen wird umgebaut
U-Bahn in Essen wird umgebaut
U-Bahn von Essen
U-Bahn von Essen
U-Bahn wird umgebaut
U-Bahn wird umgebaut
Vom City Center zur Rathaus Galerie
Vom City Center zur Rathaus Galerie

Geschäfte schließen im City Center
Geschäfte schließen im City Center

Über die YouPorn’isierung der Gesellschaft

Ich arbeite in einer Firma, in der es gerade ziemlich spannend und interessant ist. Das kommt daher, dass wir eine andere Firma aufgekauft haben und auch Anteile an weiteren Unternehmen erworben haben. Star Wars würde sagen: „Ich spüre eine Erschütterung der Macht“. In Wirklichkeit regelt sich am Schluss alles von selbst. Da die Details dazu aber nur wenige Leute interessieren und auch einige Kollegen meinen Blog inzwischen kennen, soll das zur Einleitung reichen.

Porn
Porn

Eigentlich wollte ich mir mehr Gedanken über die YouPorn’isierung der Gesellschaft machen. Was meine ich damit? Für Heranwachsende, Jugendliche und junge Erwachsene ist Porno im Internet so einfach zu bekommen wie für mich damals das Ysp mit Gimmick. Bis zu einem gewissen Alter hat man als Mensch keine gefestigte Meinung und glaubt auch alles, was man gesagt bekommt. Das ist auch gut so, ansonsten würden Eltern aussterben und die Industrie der Strick-Hersteller eine Konjunktur erleben.

Fügt man beides zusammen kommt man auf das Phänomen, das ich meine: Man sieht im Internet, dass Sex schnell, heftig und extrem ist. Oder sein muss. Sonst ist man… langweilig, out… was auch immer. Das ist ein extremes Beispiel, zugegeben. Wenn bei YouTube sich jemand auf einem Skateboard die Haxen bricht, gibt es mit Sicherheit auch Nachahmer. Bis zurück in die Zeiten des jungen Werther, in der es auch – der Überlieferung zufolge – zum Suizid erschreckend vieler Leser infolge der Identifikation mit der Hauptfigur gekommen ist.

Man kann es auch modern kurz sagen: Wir glauben was wir sehen.

Und wenn ich jetzt gerade in die Welt schaue, sehe ich, dass der Ölpreis sinkt „aufgrund der weltweiten Rezession„. Dann sehe ich, dass Staaten Billiarden an Geld als Sicherung der Banken bereitstellen. Das sind enorme Summen, die man nur noch mit dem Gegenwert vergleichen kann, was es in der realen Welt wert ist. Und in der Werbung schreit mich die Abgeltungsteuer an. Wenn ich dann, morgens am Sonntag, den Kaffee ausgetrunken habe und über mein Leben nachdenke, was soll ich dann glauben?

Fakt ist doch, dass das Geld nicht weg ist. Eine Binsenweisheit der Böse: Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anders. Fakt ist auch, dass es alle Nase lang eine Blase gibt, die platzt. Erinnert sich keiner an die DotCom-Blase, in der Milliarden US-Dollar an Risikokapital in einen aufstrebenden Markt geflossen ist bis er geplatzt ist? NEMAX, nie gehört? Jetzt sind es Hypotheken, die faul sind und wahrscheinlich nicht zurückgezahlt werden. Warum holen wir nicht Peter Zwegat?

Ich habe mit Sicherheit nicht den Durchblick und möchte auch nicht die Welt erklären. Aber: Die Welt ist nicht so einfach wie wir lesen. Es gibt einen chaotischen Schmetterlingseffekt, der einen Zusammenhang zwischen Hypothekenkrise in den USA und einem Abschwung in Asien und damit einer Absenkung des Ölpreises bildet. Oder doch nicht? Die Information, die uns in den Zeitungen und dem Fernsehen präsentiert wird, ist doch häufig nichts weiter als ein ungeprüftes Alibi von Schwerverbrechern. Ob wir eine globale Erwärmung und Klimakatastrophe haben oder nicht liegt auch im Auge des Betrachters. Wer es nicht selbst beweisen kann, muss glauben was er liest.

Werdet euch darüber bewusst, dass Glauben nicht Wissen ist.

Allerdings möchte ich einige Glaubensbekenntnisse auch nicht aufgeben. Ich glaube, dass uns Umweltzonen so wenig bringen wie Rußpartikelfilter. Ich glaube auch, dass betriebliche Mitbestimmung das Management nicht ändern kann. Ich glaube auch, dass es uns nicht so schlecht geht wie wir uns das einreden. Und ich glaube, dass man nicht alles glauben darf. Denkt mal darüber nach.