Es wird Frühling

„Ist das dein Wecker, der da schellt?“ – „Das ist kein Wecker, das ist ein Vogel. Die gibt’s jetzt wieder!“

Spam der Woche: Nachbarschaftsdienst

Eigentlich achte ich nicht auf die Links im gmail-Account, die in der WebClip-Zeile angezeigt werden. Es sind abwechselnd Nachrichten und Werbe-Links. Wie zum Beispiel zu dem Dienst, den ich jetzt beschreiben möchte. Er wirbt damit, meine Nachbarschaft besser kennenzulernen.

Alles fängt harmlos an: Es gibt eine bunte Webseite mit einem Formular, mit dem man augenscheinlich suchen soll. Ich möchte nicht ganz so viel von mir preisgeben, also erstmal nur die Postleitzahl. Dank AJAX kommt dann auch flux meine Stadt ins Formular. Reicht ihm nicht, er möchte auch Straße und Hausnummer. Gut, auch noch eingetippt. Geburtsdatum? Naja, meinetwegen. E-Mail-Adresse? Wofür denn jetzt, ich will doch nur Nachbarn suchen…? OK, es gibt AGBs und Datanschutz-Erklärung, also noch meine Spam-Adresse angegeben.

Bekomme ich jetzt Nachbarn zu sehen? Natürlich nicht. Und warum? Ich bin so mutig zu behaupten, es kommt dem Dienst gar nicht darauf an. Gar nicht groß versteckt direkt auf der Hauptseite steht, dass der Dienst 14 Tage kostenlos ist und danach 9 Euro monatlich für 24 Monate fällig werden. Kurz gerechnet: 216 Euro, cash in die Tesch.

Ich habe immer noch keine Mail bekommen, aber jetzt ist die zumindest schonmal im Spam-System drin. Die Datenschutzbedingungen zitieren einschlägige Disclaimer mit Bezug auf die deutschen Gesetzesbücher Teledienstdatenschutzgesetz und Bundesdatenschutzgesetz. Ein paar Seiten weiter im Impressum habe ich ein leichtes Deja Vu. Der Dienst wird von der netsolution FZE in Dubai (Postfach 4404 in den Twintowers) betrieben und eine schweizer Firma in Ascona macht die technische Umsetzung. Mit deutschem Datenschutz und „.net“-Adresse.

Witzig ist die Wiederrufsbelehrung in den AGBs. Man hat den Wiederruf in Textform zu richten an: (Anschrift in Dubai), (Anschrift in der Schweiz), (E-Mail in der Schweiz). Ah, das hört sich einfach an. Schreibe ich die in Dubai an oder eine Mail in die Schweiz? Egal… Das Widerrufsrecht erlischt ohnehin (laut AGB) wenn ich den Dienst genutzt habe. Ich bin kein Jurist, aber das ist nicht ganz im Sinne des Erfinders. Und dann diese Templates… „Sämtliche datenschutzrechtlichen Gesetze und Bestimmungen werden von (Name des Nachbarschaftsdienstes) genauestens befolgt.“

Bleibt mir nur, alle Leute zu mahnen und zu warnen, aufmerksam das Kleingedruckte zu lesen. Dann müsst ihr euch nicht in einschlägigen Foren wiederfinden:

Update, 11.11.07: Ich habe eine Mail erhalten, auf die ich mit einem Widerspruch mit Hinweis auf §119 BGB reagiert habe.

„London calling“ im Sauerland

Blindtext dient nicht immer der Barrierefreiheit.

Im Eingangstext findet man diesen philosophischen Exkurs:

Dies sind ,it sicherheit mehr als neunzig Zeichen, denk ich zumindest mal. Denn wenns weniger wären, dann würde man den gesamten Text sehen. Und da wir den nicht sehen stehen hier mehr als 90 Zeichen.Mit Sicherheit.

Später dann kann man mitsingen. Wenn man kann. Und will.

London calling to the faraway towns Now war is declared – and battle come down The London calling to the underworld Come out of the cupboard,you boys and girls London calling, now don’t look at us All that phoney Beatlemania has bitten the dust London calling, see we ain’t got no swing’Cept for the REIGN of that truncheon thing

Viele Grüße an The Clash.

Noch mal deutsch richtig falsch

Beruflich habe ich gerade damit zu tun, eine Dokumentation zur Endkunden-Pflege in englisch zu schreiben. Für ein Australisches Unternehmen. Obwohl ich mir Mühe gegeben habe, möglichst natürliches und trotzdem elaboriertes Englisch zu verwenden, war das Urteil „poor english“.

Wenn ich mir die Seite ansehe, die ich jetzt durch Werbebanner gefunden habe, sehe ich wo es hingeht, wenn man nicht „native speaker“ übersetzten lässt. Die Seite ist ein kommerzielles Angebot eines Sportbekleidungs- und -zubehör-Händlers aus England namens „Sports HQ“.

Direkt auf der Eingangsseite werde ich begrüßt mit „Sie können uns auf 0044 1527 …. kontaktieren“. Das hört sich gut an! Öffnungszeiten stehen auch direkt drunter. Ob meine oder deren, weiß ich nicht: „öffnen Sie Montag zu Freitag 9:00 am to 17:30 pm“. In astreinem deutsch geht es dann im Fließtext weiter: „Welcome to The Sports HQ Group / The Sports HQ is a supplier….“.

Eine Aktion! „Zur Ausklang der Saison“ Sommerschlußverkauf… so richtig deutsch… „BIS AUF 80% RABATT“. Das hört sich an wie beim Baumarkt, „alles außer Tiernahrung“. Achso, die Sprache darf man auch wählen: „Wählen Sie Sprache: German“. German der Etrusker.

OK, aber wer isn das jetzt. „Ueber uns“: „Gegründet in Großbritannien, The Sports HQ ist die europaeische Abteilung fuer Confidence Sporting Goods Inc – der berühmte Hersteller aus Palm Springs Kalifornie, der Qualitätssporting Waren für 35 Jahre gebildet hat.“ Herrlich: „Kalifornie„…

Man ist auch schon ganz euphorisch auf die neue Kundenbeziehung: „Wir danken Ihnen fuer Ihre Bestellung und wir freuen uns sehr jahrelang Ihnen zu bedienen.“ Leichte Bedenken bekomme ich bei diesem Satz: „Klicken Sie hier fuer unser Geschaeftsbedingungen.“ Der Satz ist ok. Es fehlten die Geschäftsbedingungen!

Die werden wahrscheinlich gerade noch übersetzt. Keine böse Unterstellung, aber der Link ist in der Menüleiste nochmal aufgeführt und zeigt auf eine leere Seite. Oder die meinen das ernst.