5. Philharmonischer Ball in Essen

Wie kann man einen großen Ball organisieren? In Essen hat man Erfahrung damit. In diesem Jahr fand der fünfte Philharmonische Ball in der Essener Philharmonie statt. Zahlreiche Prominente und Politiker sowie die High Society und der Mittelstand von Essen treffen sich einmal im Jahr in Abendgarderobe und feiern einen rauschenden Abend in Walzer und Swing-Boogie. Insgesamt waren es in diesem Jahr wieder fast 1500 Besucher.

Am 27. Februar 2009 begann der Ball pünktlich um 22 Uhr mit dem Konzert, das nicht durch den neuen Intendanten Johannes Bultmann eröffnet werden konnte, da er mit Grippe im Bett bleiben musste. Auch Michael Kaufmann, der in früheren Jahren immer eröffnete, war aus verständlichen Gründen nicht anwesend. Die Aufregung über seine Absetzung als früherer Intendant hält immer noch an.

Den Auftakt in dieser Nacht um fast 23 Uhr hatten die 80 Debütanten der Tanzschule Lenz – auch ich war damals Debütant, als diese noch von der Tanzschule Overrath gestellt wurden. Weitere Höhepunkte des Abends waren die Tänzer des Grün Gold Bremen und das Tanzpaar Markus Weiss und Isabel Edvardsson.

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Deutschland im Schnee, alles kaputt

Bereits seit Anfang des Jahres wussten wir, dass der Winter in Deutschland einbrechen soll. Schauermärchen von 20 Grad Celsius unter Null. Wer soll das denn glauben? Pünktlich zum offiziellen Arbeitsbeginn am 5. Januar fing das Debakel an: 20 Zentimeter Neuschnee in Essen.

Die Straßen konnten nicht rechtzeitig von Schnee und Eis befreit werden. Also gab es keinen öffentlichen Personennahverkehr, keinen Bus und keine Straßenbahn. Kurzerhand bin ich dann zu Fuß zum Hauptbahnhof gelaufen, mit dem Auto zu fahren ist auch keine gute Idee bei dem Wetter. Am Straßenrand festgefahrene LKW. Auf dem Bürgersteig, der meist nur um Personenbreite geräumt war, kam man sich in Kolonnen entgegen. Ab und an gab es auch mutige, die mit dem Fahrrad unterwegs waren.

Am Bahnhof das gewohnte Bild: Überforderte Bahnangestellte und verspätete Züge. Ich bin schließlich mit einem freigegebenen ICE gefahren, der doppelt so lange gebraucht hat. Alleine 30 Minuten stand der dämliche Zug vor Duisburg.

Einen Tag später gab’s dann die Krönung: Zuerst waren Anzeigen, dass die Züge 30, 60, 70, 90 Minuten Verspätung haben. Also habe ich einfach mal gewartet. Allerdings kamen keine Züge nach Düsseldorf, dazu waren die Stellwerke und Schienen vereist.

Großstadt Archäologe

Zurzeit wird Essen umgebaut, vom Hauptbahnhof bis zur Innenstadt. Ähnlich wie bei mir zu Hause finden sich beim Aufräumen Dinge, die man seit Monaten oder Jahren nicht gesehen hat. Es ist ja nicht so, als ob man es vermisst hätte. Aber es erinnert schön an früher.

Dadurch, dass in Essen vieles aufgerissen, abgerissen und eingeebnet wird, kommen zum Teil recht alte und interessante Artefakte zutage. Die zu entdecken ist Glückssache wenn man nicht gezielt danach sucht. Und leider gibt’s auch kein Heimatmuseum, das die Findlinge dokumentiert oder archiviert.

Bei den Bauarbeiten am Essener Hauptbahnhof kommen uralte Artefakte zum Vorschein, unter anderem 30 Jahre alte Werbung.
Bei den Bauarbeiten am Essener Hauptbahnhof kommen uralte Artefakte zum Vorschein, unter anderem 30 Jahre alte Werbung.
Bundesbahn Reklame
Bundesbahn Reklame: Sonderfahrt nach Linz im August 1978 für 462 DM, Monatsticket für Tramper durch Deutschland für 198 Mark. Das waren noch Zeiten.
Am Porscheplatz sind Gebäude abgerissen worden und gaben so den Blick auf Werbung frei, die vor mehr als 40 Jahren für Bier und Möbel geworben hat.
Am Porscheplatz sind Gebäude abgerissen worden und gaben so den Blick auf Werbung frei, die vor mehr als 40 Jahren für Bier und Möbel geworben hat.

Essen wird umgebaut – der Verkauf geht weiter

Und? Schon mal in meiner schönen Heimatstadt Essen an der Ruhr gewesen? In letzter Zeit? Ein Kollege von mir war am Hauptbahnhof von Essen und fluchte nicht schlecht und sprach mir aus der Seele. Das kann man doch in einer Stadt nicht machen! Essen wird gerade fast komplett umgebaut. Es erinnert mich in Grundzügen an Berlin, nur nicht so groß. Und vielleicht auch nicht so schön. Aber mit Sicherheit genauso bescheuert mit Baustellen gepflastert.

Der komplette Hauptbahnhof ist gesperrt. Täglich mehr als 130.000 Reisende, unterm Bahnhof eine U-Bahn mit acht Bahnsteigen und nebenan ein Busbahnhof. Das Drehkreuz für Reisende von und nach Essen. Alles teilgesperrt, umgezogen, verlegt, geschlossen.

Vogelperspektive Essen Hauptbahnhof
Vogelperspektive Essen Hauptbahnhof

Und trotzdem funktioniert alles weiter. Nebeneingänge sind als Rinnsale die einzige Einfalltore für die zahllosen Berufspendler. Ehemalige Solzialräume dienen als Bäckerei. Bauwagen als Kiosks. Der Busbahnhof ist umgezogen, die U-Bahn fast komplett geräumt.

Wofür macht man das? Essen will sich herausputzen. Essen ist Hauptstadt, also muss man auch aussehen wie eine Hauptstadt. Eine Kulturhauptstadt 2010. Das hat zur Loveparade 2007 auch niemanden interessiert. Die Hauptkundgebung fand in Sichtweite zum Berliner Platz statt, dem größten Bauplatz, den ich je gesehen habe. Das komplette Karstadt-Gebäude niedergerissen und zusammen mit Sinn zu einer Shopping-Mall wieder aufgebaut. Offenbar hat es niemanden interessiert. Offenbar hat sich niemand geschämt.

Für regelmäßige Pendler wie mich ist es eine Mischung aus Tortur und Abenteuer, täglich den Bahnhof nutzen zu müssen. Am Nebeneingang sind regelmäßig Bahn-Angestellte, denn das Reisezentrum ist auch nicht wirklich in Betrieb. Von einem Gleis zum nächsten zu kommen ist komplizierter als eine chinesische Bastelanleitung. Wilde Schilder lotsen einen in alle Richtungen.

Das kann doch nicht ernst gemeint sein! Das Innere des Bahnhofs ist in zwei Etagen gebaut. Unten kommt man rein, oben geht man zu den Gleisen. Kann man nicht erst die eine, dann die andere Ebene sperren und umbauen, damit der Haupteingang benutzbar bleibt? Und überhaupt, was tut sich da? Seit fast zwei Monaten ist alles zu, Arbeiter oder Arbeiten sind nicht zu erkennen. Nicht, dass die Zeit drängt. 2010 ist ja noch lange hin. Wenn man 2010 sagt, meint man sicher auch ENDE 2010.

Für mich sieht’s so aus, als ob man wieder die falschen Leute gefragt hat. Oder Geld sparen wollte. Mit dem jetzigen Elan wird man bis Ende 2009 nur eine Baustelle haben, die man der Welt stolz präsentieren kann. Die U-Bahn wurde bereits umgebaut und freundlicher gemacht. Nachdem die Wand-Platten ohnehin schon von alleine abgefallen sind, hat man alle abgenommen. Was darunter lag, war auch nicht schön, dafür hat man alles noch blau und gelb angestrahlt – fertig.

Das sieht so scheiße aus, dass ich mir fast schon wünsche, in Gelsenkirchen zu wohnen. Die U-Bahn dort sieht um Welten besser aus. Aber jetzt wird ja der komplette Unterbau des Essener Hauptbahnhofs renoviert. Ob es überflüssig, zu teuer oder nur falsch geplant ist, kann ich bis jetzt nicht sagen. Aber irgendwie hätte es doch nicht so dermaßen massiv sein müssen.

Siehe auch:

Essener Hauptbahnhof von außen
Essener Hauptbahnhof von innen
Essener Hauptbahnhof von innen
Baustellenschilder im Bahnhof
Geschlossene Geschäfte im Bahnhof
Geschlossenes Reisezentrum
U-Bahn in Essen wird umgebaut
U-Bahn in Essen wird umgebaut
U-Bahn von Essen
U-Bahn von Essen
U-Bahn wird umgebaut
U-Bahn wird umgebaut
Vom City Center zur Rathaus Galerie
Vom City Center zur Rathaus Galerie

Geschäfte schließen im City Center
Geschäfte schließen im City Center

Google Street View Auto gesichtet

Jetzt konnte ich auch endlich mal ein Street View Auto live entdecken, wenn auch mit Abdeckung über der Kamera. Zudem hat es auch fein geregnet und es war auf der Autobahn. Heute morgen gegen 9 Uhr auf der A52 zwischen Essen und Düsseldorf.
Ich gehe davon aus, dass das Auto Richtung Düsseldorf fährt und dort die Stadt fotografiert.

Essen, die Einkaufsstadt: Das neue Zentrum am Limbecker Platz

Essen die EinkaufsstadtWenn man am Hauptbahnhof von Essen ankommt und Richtung Einkaufsstraße schaut, sieht man auf dem Handelshof die großen Leuchtbuchstaben „ESSEN DIE EINKAUFSSTADT“. Diese Bezeichnung ist spätestens seit Eröffnung des CentrO in Oberhausen so eine Wunschvorstellung wie die Aktion Gelsenkirchens vor einigen Jahren, die in der Innenstadt Schilder mit der Aufschrift „Gelsenkirchen – Stadt ohne Gewalt“ aufgestellt hat.

Essen hat einiges zu bieten, aber als Einkaufsstadt habe ich es nie gesehen. Im Essener Zentrum gibt es drei Haupt-Einkaufsstraßen, die Kettwiger Straße, die Limbecker Straße und das City-Center am Porscheplatz. Diese Straßen bilden ein Dreieck und sind eher im alten Stil der Innenstädt aufgebaut. Das City-Center war ein mutiger Schritt in Richtung Shopping Mall: Eingeschössig, überdacht, einheitliche Ladenfront, im Untergeschoss eine Bus- und U-Bahn-Station.

Am Ende der Limbecker Straße findet sich das Karstadt-Gebäude wie ein Palast aus dem letzten Jahrhundert. Viele kennen es als Ausblick aus dem CinemaxX-Multiplex. Das Gebäude ist nicht nur steinalt sondern auch denkmalgeschützt. Trotzdem kam Karstadt ein Plan, Weltstadt zu werden. Die benachbarten Häuser von Karstadt und Sinn Leffers sollten abgerissen bzw. entkernt werden und es wird eine riesige Shopping Mall an die alte Stelle gesetzt.

Baustelle April 2007
Vorher - Baustelle im April 2007

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„Wir machen, dass die Luft stinkt“

Manchmal haben Firmen ganz komische Werbeslogans. Oder Claim wie der Fachmann sagt. eon Ruhrgas zum Beispiel. Die machen Werbung mit „Wir können Erdgas.“ Der Satz ist zu Ende. Also, nicht grammatikalisch, aber der Werbetexter wurde nur für drei Worte bezahlt, danach war Schicht im Schacht. Eigentlich auch ein guter Claim: „Schicht im Schacht – Ruhrkohle AG“.

Das St. Elisabeth Krankenhaus, genau gegenüber von eon Ruhrgas, hat da noch einen draufgelegt. In subtiler Anlehnung steht auf einem Transparent, keine 500 Meter entfernt: „Wir können Gesundheit.“

Wir können Erdgas. Wir können machen, dass die Luft stinkt
„Wir können Erdgas“ – Original „Wir können machen, dass die Luft stinkt. Erdgas.“- Variation von mir
Wir können Erdgas. Wir können Gesundheit.
„Wir können Erdgas.“ – eon Ruhrgas „Wir können Gesundheit.“ – St. Elisabeth Krankenhaus