Renovieren wir doch gleich alles

Es fing alles so harmlos an. Ich fürchte, gräßliche Sachen fangen immer harmlos an. Der zweite Weltkrieg fing mit Sicherheit auch harmlos an. Also, es fing an mit einem Schimmelfleck an einer Außenwand in der Küche. Nicht großartig schlimm, erher harmlos.

Der Vermieter hat sich nicht gerade darum gekümmert, wir auch nicht. Irgendwann war der Schimmelfleck nun so groß wie ein fünfjähriges Kind. Dann kamen Handwerker. Die Küche wurde neu tapeziert und gestrichen, alles wunderbar.

Nun sind Handwerker eine besondere Form von Herdentieren. Der Meister bringt den Gesellen, der Fahrer bringt den Beifahrer, zum Maler gesellt sich auch noch ein Klempner. Der Klempner allerdings sollte auf der anderen Gebäudeseite für Durchfluss für den Abfluss sorgen. Hat er auch gemacht. Schnell, denn Zeit ist Geld. Kurz noch zu uns in die Wohnung sollte er.

Da unser Haus nicht am Hang liegt oder sonst Schieflage hat, ist natürlich die linke Seite genauso von Ablussproblemen betroffen wie die rechte Seite. Zeit dräng, mal eben gemacht, keine drei Worte später war er auch schon verschwunden. Wie er das so schnell gemacht hat, verstehe ich nicht; ich gehe davon aus, dass man inzwischen einen Enterprise-Transporter für Handwerker entwickelt hat. Ähnlich wie Tarnkappen für Verkäufer.

Der Klempner war weg, die Maler strichen, gingen, das Haus beruhigte sich. Das ganze Haus? Nein, denn unter uns (ich wohne im zweiten Stock) hatte der Nachbar Besuch von etwas H2O bekommen, und das hatte noch seine guten Kumpels aus dem Rohr mitgebracht: Schwarzer Schleim, Ablagerungen von Monaten, wenn nicht Jahren. Alles von uns nach unten gedrückt. Und alles was oben rein kommt… kommt unten wieder raus. Denkt mal darüber nach!

Naja, mein Nachbar war wenig besorgt. Er war auch nicht zu Hause. Aber als er dann doch zu Hause war, hatte er Spaß. Dreck, Wasser, Laminat, das ist eine Kombination für den Versicherungsbericht. Zum Glück konnte es der Klempner doch noch einrichten, zeitnah zu kommen um die Rohre im ersten Geschoss und Erdgeschoss zu befreien.

Wie kam ich jetzt darauf? Achja: Schimmel. In der Küche alles toppi, im Schlafzimmer ein kleiner Fleck an der Decke. Als dort die Tapete fachgerecht entfernt wurde, war klar warum der Fleck dort war: Ein kreisrundes Loch in der Decke verriet, dass ein Vormieter hier mindestens Kabel wenn nicht ganze Rohrleitungen vom Dachboden ins Schlafzimmer geleitet hat. Und dann noch weitere Flecken unten an den Außenwänden. Also auch das gesamte Schlafzimmer gestrichen. Langsam fühle ich mich wie in „Das Bild hängt schief“ von Loriot.

Schrieben ist es wenig spektakulär. Aber nochmal kurz erinnert: Küche wird renoviert, Schlafzimmer wird renoviert. Beide Räume sind leer. Logik fragt: Wo sind die Sachen hin? Das gesamte Wohnzimmer und das gesamte Arbeitszimmer sind voll mit Küche und Schlafzimmer. Ich hause inzwischen! Gut, bei der Gelegenheit habe ich dann noch den Boden in der Küche ausgetauscht.

Was bin ich froh, wenn der Mist hinter mir liegt. Was haben wir heute? Tag der Arbeit! Kommt hin.

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Essen, die Einkaufsstadt: Das neue Zentrum am Limbecker Platz

Essen die EinkaufsstadtWenn man am Hauptbahnhof von Essen ankommt und Richtung Einkaufsstraße schaut, sieht man auf dem Handelshof die großen Leuchtbuchstaben „ESSEN DIE EINKAUFSSTADT“. Diese Bezeichnung ist spätestens seit Eröffnung des CentrO in Oberhausen so eine Wunschvorstellung wie die Aktion Gelsenkirchens vor einigen Jahren, die in der Innenstadt Schilder mit der Aufschrift „Gelsenkirchen – Stadt ohne Gewalt“ aufgestellt hat.

Essen hat einiges zu bieten, aber als Einkaufsstadt habe ich es nie gesehen. Im Essener Zentrum gibt es drei Haupt-Einkaufsstraßen, die Kettwiger Straße, die Limbecker Straße und das City-Center am Porscheplatz. Diese Straßen bilden ein Dreieck und sind eher im alten Stil der Innenstädt aufgebaut. Das City-Center war ein mutiger Schritt in Richtung Shopping Mall: Eingeschössig, überdacht, einheitliche Ladenfront, im Untergeschoss eine Bus- und U-Bahn-Station.

Am Ende der Limbecker Straße findet sich das Karstadt-Gebäude wie ein Palast aus dem letzten Jahrhundert. Viele kennen es als Ausblick aus dem CinemaxX-Multiplex. Das Gebäude ist nicht nur steinalt sondern auch denkmalgeschützt. Trotzdem kam Karstadt ein Plan, Weltstadt zu werden. Die benachbarten Häuser von Karstadt und Sinn Leffers sollten abgerissen bzw. entkernt werden und es wird eine riesige Shopping Mall an die alte Stelle gesetzt.

Baustelle April 2007
Vorher - Baustelle im April 2007

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Katholiken sterben aus, Moslems erobern die Welt

Reißerischer kann man Überschriften kaum noch gestalten. Gut, man kann, aber dann muss man schon bei der BILD-Zeitung gelernt haben. Aber kommen wir zu den Fakten. Der Vatikan hat durchgezählt, geschätzt und Statistiken gewälzt und selbst geschrieben und am Ende kommt raus, dass es bereits 2006 weltweit mehr Muslime als Katholiken gab. Was für eine Nachricht.

Aber die eigentliche Nachricht passiert erst im Kopf. Aus der statistischen Erhebung des Vatikans wird ein Angriffskonzept. Allein die offizielle Erklärung, wie es zu dem Machtwechsel kommt: Islamische Länder haben ein größeres Bevölkerungswachstum.

Auch interessant, wie man auf die Nachricht reagiert. Ein Kollege von mir sagte spontan: „Dann ist ja bald wieder Zeit für einen Kreuzzug„. Wie wahr, wenn man sich nicht selbst vermehrt, sorgt man dafür, dass der andere es auch nicht kann. So kommt man unumwunden auch zu den Krisengebieten im Iran, Irak, Afghanistan, Indien und wo sonst noch Muslime leben. Ein Schimmer von Tibet schwingt auch noch mit.

Die Statistik des Vatikans lässt allerdings noch nicht alles vorbei sein. Man rechnet mit einer 33%igen christlichen Weltbevölkerung. Wobei nicht nur ich mir die Gretchenfrage stelle. Im Forum des Tagesspiegels fragt ein „lukas“ kritisch nach:

Die Frage ist doch: Wieviele wahre Katholiken gibt es? Wieviele Menschen nehmen tatsächlich das Apostolische Glaubensbekenntnis ernst, demnach Jesus tatsächlich seine eigene, durch den Heiligen Geist inseminierte, Mutter defloriert habe, sowie drei Tage nach Ableben vollständig reanimiert himmelwärts fuhr und nun seit beinahe zweitausend Jahren rechts seines Papis sitzt? (…) Wer dies nicht für bahre Münze nimmt, mag vielleicht Vereinsmitglied sein, ist aber kein gläubiger Katholik! (Noch, nebenbei, evangelischer Christ.)

Eine Aufrechnung in fanatische Christen, fanatische Juden und fanatische Muslime möchte ich allerdings nicht berechnet sehen. Auch die Möglichkeit eines Kreuzzuges möchte ich nicht in Anspruch nehmen. Wobei ich kürzlich erst in der Zeitung von den neuesten El-Kaida Marketingmaßnahmen gelesen habe: Al-Sawahiri beantwortet Leserfragen. Und dabei fällt es ihm auch aus dem Bart, dass „Kreuzfahrer“ in Irak und Afghanistan sind.

Ich bin ihm dankbar für das Wort, das ich bisher nur mit Traumschiff und Südsee in Zusammenhang gebracht habe. Wie Straßenkreuzer. Dass die Kreuzfahrt ein Kreuzzug zu See sein könnte, … ich bin manchmal naiv.

Übrigens, die Nachricht stand mal wieder zuerst auf Spiegel Online. Nachdem Telepolis die Nachricht übernahm, hat die taz zum ersten April eine winzige Textbox auf der zweiten Seite geschrieben.

„Wir machen, dass die Luft stinkt“

Manchmal haben Firmen ganz komische Werbeslogans. Oder Claim wie der Fachmann sagt. eon Ruhrgas zum Beispiel. Die machen Werbung mit „Wir können Erdgas.“ Der Satz ist zu Ende. Also, nicht grammatikalisch, aber der Werbetexter wurde nur für drei Worte bezahlt, danach war Schicht im Schacht. Eigentlich auch ein guter Claim: „Schicht im Schacht – Ruhrkohle AG“.

Das St. Elisabeth Krankenhaus, genau gegenüber von eon Ruhrgas, hat da noch einen draufgelegt. In subtiler Anlehnung steht auf einem Transparent, keine 500 Meter entfernt: „Wir können Gesundheit.“

Wir können Erdgas. Wir können machen, dass die Luft stinkt
„Wir können Erdgas“ – Original „Wir können machen, dass die Luft stinkt. Erdgas.“- Variation von mir
Wir können Erdgas. Wir können Gesundheit.
„Wir können Erdgas.“ – eon Ruhrgas „Wir können Gesundheit.“ – St. Elisabeth Krankenhaus

Ostern im Schnee

Ostern im SchneeDas ist sowas von verrückt. Vor einer Woche waren noch Temperaturen um den Gefrierpunkt. Zu Ostern gab es Schnee wie sonst nur zu Weihnachten. Heute gab es 17 Grad, in Süddeutschland über 20 Grad Celsius. Das ist sowas von verrückt.

Dazu habe ich in diesem Jahr schon zweimal mit Fieber und grippalem Infekt im Bett gelegen, einmal im Februar und dann im März. Das gab es früher nicht.

Die Helden in der Bochumer Jahrhunderthalle

Der vergangene Freitag war hart. Ich bin kurz vor fünf aufgestanden, war um sieben Uhr im Büro und hatte gerade mal fünf Stunden geschlafen. So weit, so gut. Abends hatte ich dann noch ein Konzert von „Wir sind Helden“ vor mir. Mein Motto: Mit Kaffee geht alles.

Die Anfahrt nach Bochum war einfach, die Jahrhunderthalle gut ausgeschildert. Kurz vor der Halle der übliche Stau, der Parkplatz war groß genug und die Gebühr von 2,50 EUR annehmbar. Insgesamt waren die Preise human, die Getränke auch zweifuffzich mit einem Euro Pfand.

Ich habe es das erste Mal auf einem Konzert erlebt, dass Ohrenstöpsel am Merchendising-Stand verkauft wurden. Also habe ich direkt zugeschlagen, was auch gut war. Die Akustik auf dem Konzert war genial. Die Bühnenshow einfach aber zweckmäßig. Die Jahrhunderhalle erinnert von außen an eine Mischung aus Kongress- und Einkaufzentrum. Von innen ist es eher eine Industriehalle. Die Halle ist so groß, dass vorn die Bühne aufgebaut ist und in der Mitte und hinten ungefähr sechs Stände mit Getränken aufgebaut sind.

Die Vorband „The Amber Light“ war ganz gut. Zwei Gitarren, ein Schlagzeug und ein Sänger, der sich zwar keine Texte merken muss, dafür aber die Akkorde im Griff hat. Die Texte waren sehr eingängig und man kann leicht mitsingen. Anders gesagt, die Texte passen auf eine Postkarte.

Die Helden waren geprägt von Judiths Erkrankung. Sie hat sich bereits am Anfang für ihre heisere Stimme entschuldigt und versprach, das mit einer besseren Show-Performance wieder wettzumachen. Was man als Konzertgänger bei den Helden lernt: Man muss mitmachen. Verschiedene Figuren sind möglich: Das Korallenriff, die winkende Hand, die Faust, etc. Nachdem diese Figuren kommuniziert und geübt sind, geht Judith nochmal kurz die weiteren Figuren durch und mir kam’s zunächst so vor, als ob es irgendetwas Improvisiertes darstellt. Später kam es zu einem Deja-Vu: „Nur ein Wort“ wird auch in einer gehörlosen Version dargeboten. „Dein Schweigen ist ein Zelt, stellst es mitten in die Welt…

Bei der ersten Zugabe bin ich fast eingeschlafen. Das meine ich auch nicht böse, ich war einfach zu müde als Judith eine leise Ballade geträllert hat. Bei der nächsten Zugabe gab es eine kurze Lesung aus dem Buch der Helden, was zunächst nicht jedem im Publikum gefallen hat.

Neben den Helden sind „Die Piloten“ auf der Bühne, die ein Band-in-Band-Erlebnis hinterlassen. Die drei Bläser sind so gut in die Lieder integriert, als ob es niemals anders war. Sie führen von Jazz über Pop bis Ska und treiben darüber hinaus noch eine verdammt gute Bühnen-Performance und Choreographie.

Alles in allem war das Konzert spitze, Judiths Krankheit fiel kaum ins Gewicht. Nur das Publikum war stellenweise nervig. Genau vor mir standen zwei Familienväter, die ihre kleinen Töchter genau in unsere Sicht halten mussten. Andererseits war ich nicht der Jüngste auf dem Konzert, darüber muss ich inzwischen dankbar sein.