Deutschland im Schnee, alles kaputt

Bereits seit Anfang des Jahres wussten wir, dass der Winter in Deutschland einbrechen soll. Schauermärchen von 20 Grad Celsius unter Null. Wer soll das denn glauben? Pünktlich zum offiziellen Arbeitsbeginn am 5. Januar fing das Debakel an: 20 Zentimeter Neuschnee in Essen.

Die Straßen konnten nicht rechtzeitig von Schnee und Eis befreit werden. Also gab es keinen öffentlichen Personennahverkehr, keinen Bus und keine Straßenbahn. Kurzerhand bin ich dann zu Fuß zum Hauptbahnhof gelaufen, mit dem Auto zu fahren ist auch keine gute Idee bei dem Wetter. Am Straßenrand festgefahrene LKW. Auf dem Bürgersteig, der meist nur um Personenbreite geräumt war, kam man sich in Kolonnen entgegen. Ab und an gab es auch mutige, die mit dem Fahrrad unterwegs waren.

Am Bahnhof das gewohnte Bild: Überforderte Bahnangestellte und verspätete Züge. Ich bin schließlich mit einem freigegebenen ICE gefahren, der doppelt so lange gebraucht hat. Alleine 30 Minuten stand der dämliche Zug vor Duisburg.

Einen Tag später gab’s dann die Krönung: Zuerst waren Anzeigen, dass die Züge 30, 60, 70, 90 Minuten Verspätung haben. Also habe ich einfach mal gewartet. Allerdings kamen keine Züge nach Düsseldorf, dazu waren die Stellwerke und Schienen vereist.

Werbeanzeigen

Großstadt Archäologe

Zurzeit wird Essen umgebaut, vom Hauptbahnhof bis zur Innenstadt. Ähnlich wie bei mir zu Hause finden sich beim Aufräumen Dinge, die man seit Monaten oder Jahren nicht gesehen hat. Es ist ja nicht so, als ob man es vermisst hätte. Aber es erinnert schön an früher.

Dadurch, dass in Essen vieles aufgerissen, abgerissen und eingeebnet wird, kommen zum Teil recht alte und interessante Artefakte zutage. Die zu entdecken ist Glückssache wenn man nicht gezielt danach sucht. Und leider gibt’s auch kein Heimatmuseum, das die Findlinge dokumentiert oder archiviert.

Bei den Bauarbeiten am Essener Hauptbahnhof kommen uralte Artefakte zum Vorschein, unter anderem 30 Jahre alte Werbung.
Bei den Bauarbeiten am Essener Hauptbahnhof kommen uralte Artefakte zum Vorschein, unter anderem 30 Jahre alte Werbung.
Bundesbahn Reklame
Bundesbahn Reklame: Sonderfahrt nach Linz im August 1978 für 462 DM, Monatsticket für Tramper durch Deutschland für 198 Mark. Das waren noch Zeiten.
Am Porscheplatz sind Gebäude abgerissen worden und gaben so den Blick auf Werbung frei, die vor mehr als 40 Jahren für Bier und Möbel geworben hat.
Am Porscheplatz sind Gebäude abgerissen worden und gaben so den Blick auf Werbung frei, die vor mehr als 40 Jahren für Bier und Möbel geworben hat.

Essen wird umgebaut – der Verkauf geht weiter

Und? Schon mal in meiner schönen Heimatstadt Essen an der Ruhr gewesen? In letzter Zeit? Ein Kollege von mir war am Hauptbahnhof von Essen und fluchte nicht schlecht und sprach mir aus der Seele. Das kann man doch in einer Stadt nicht machen! Essen wird gerade fast komplett umgebaut. Es erinnert mich in Grundzügen an Berlin, nur nicht so groß. Und vielleicht auch nicht so schön. Aber mit Sicherheit genauso bescheuert mit Baustellen gepflastert.

Der komplette Hauptbahnhof ist gesperrt. Täglich mehr als 130.000 Reisende, unterm Bahnhof eine U-Bahn mit acht Bahnsteigen und nebenan ein Busbahnhof. Das Drehkreuz für Reisende von und nach Essen. Alles teilgesperrt, umgezogen, verlegt, geschlossen.

Vogelperspektive Essen Hauptbahnhof
Vogelperspektive Essen Hauptbahnhof

Und trotzdem funktioniert alles weiter. Nebeneingänge sind als Rinnsale die einzige Einfalltore für die zahllosen Berufspendler. Ehemalige Solzialräume dienen als Bäckerei. Bauwagen als Kiosks. Der Busbahnhof ist umgezogen, die U-Bahn fast komplett geräumt.

Wofür macht man das? Essen will sich herausputzen. Essen ist Hauptstadt, also muss man auch aussehen wie eine Hauptstadt. Eine Kulturhauptstadt 2010. Das hat zur Loveparade 2007 auch niemanden interessiert. Die Hauptkundgebung fand in Sichtweite zum Berliner Platz statt, dem größten Bauplatz, den ich je gesehen habe. Das komplette Karstadt-Gebäude niedergerissen und zusammen mit Sinn zu einer Shopping-Mall wieder aufgebaut. Offenbar hat es niemanden interessiert. Offenbar hat sich niemand geschämt.

Für regelmäßige Pendler wie mich ist es eine Mischung aus Tortur und Abenteuer, täglich den Bahnhof nutzen zu müssen. Am Nebeneingang sind regelmäßig Bahn-Angestellte, denn das Reisezentrum ist auch nicht wirklich in Betrieb. Von einem Gleis zum nächsten zu kommen ist komplizierter als eine chinesische Bastelanleitung. Wilde Schilder lotsen einen in alle Richtungen.

Das kann doch nicht ernst gemeint sein! Das Innere des Bahnhofs ist in zwei Etagen gebaut. Unten kommt man rein, oben geht man zu den Gleisen. Kann man nicht erst die eine, dann die andere Ebene sperren und umbauen, damit der Haupteingang benutzbar bleibt? Und überhaupt, was tut sich da? Seit fast zwei Monaten ist alles zu, Arbeiter oder Arbeiten sind nicht zu erkennen. Nicht, dass die Zeit drängt. 2010 ist ja noch lange hin. Wenn man 2010 sagt, meint man sicher auch ENDE 2010.

Für mich sieht’s so aus, als ob man wieder die falschen Leute gefragt hat. Oder Geld sparen wollte. Mit dem jetzigen Elan wird man bis Ende 2009 nur eine Baustelle haben, die man der Welt stolz präsentieren kann. Die U-Bahn wurde bereits umgebaut und freundlicher gemacht. Nachdem die Wand-Platten ohnehin schon von alleine abgefallen sind, hat man alle abgenommen. Was darunter lag, war auch nicht schön, dafür hat man alles noch blau und gelb angestrahlt – fertig.

Das sieht so scheiße aus, dass ich mir fast schon wünsche, in Gelsenkirchen zu wohnen. Die U-Bahn dort sieht um Welten besser aus. Aber jetzt wird ja der komplette Unterbau des Essener Hauptbahnhofs renoviert. Ob es überflüssig, zu teuer oder nur falsch geplant ist, kann ich bis jetzt nicht sagen. Aber irgendwie hätte es doch nicht so dermaßen massiv sein müssen.

Siehe auch:

Essener Hauptbahnhof von außen
Essener Hauptbahnhof von innen
Essener Hauptbahnhof von innen
Baustellenschilder im Bahnhof
Geschlossene Geschäfte im Bahnhof
Geschlossenes Reisezentrum
U-Bahn in Essen wird umgebaut
U-Bahn in Essen wird umgebaut
U-Bahn von Essen
U-Bahn von Essen
U-Bahn wird umgebaut
U-Bahn wird umgebaut
Vom City Center zur Rathaus Galerie
Vom City Center zur Rathaus Galerie

Geschäfte schließen im City Center
Geschäfte schließen im City Center

Undurchsichtige Bahnstreiks

Die Freunde von der GDL haben zweimal am Tag eine bessere Idee. Ende der Woche waren zeitgleich Streiks in Deutschland und Frankreich. Übers Wochenende dann überschlugen sich die Ideen: Bis Sonntag gar nicht streiken, ab Sonntag drei Tage durch streiken, doch nur einen Tag streiken, kurzfristig streiken, aber bitte nicht die Pendler stören, …

Keine Streiks bis einschließlich Sonntag Zug fällt aus Streikposten

Wie möchte die GDL streiken ohne Pendler zu stören? Eine Vielzahl der Pendler verwendet eben die Nahverkehrszüge, die nur noch bestreikt werden dürfen. Selbst wenn nur zwischen 10 Uhr und 16 Uhr gestreikt wird, hat sich der Verkehr erfahrungsgemäß nicht bis zum nächsten Tag wieder eingependelt.

Ernsthafte Streiks bei der Bahn

Freie Bahnhöfe und Bahnen am Donnerstag
Donnerstag sollte gestreikt werden, wurde aber nicht. Leere Bahnhöfe und Züge.
175 km Staus
Streik am Freitag: Volle Autobahnen.
Richtig schöne Staus am Freitag
Stress auf der Autobahn, Fahrten dauern mindestens doppelt so lang.

Die GDL ist ein witziger Verein. Wir streiken, wir streiken nicht,… wir streiken doch. Anfang der Woche wurde der Gedanke in die Welt geworfen, danach verworfen. Dann wollte man Donnerstag, Freitag, Montag, Dienstag durchstreiken… dann Donnerstag auf einmal nicht mehr… Gestern war’s wunderschön in der Bahn, alles leer: Bahnhöfe, Bahnen, ich hatte sofort Sitzplätze in Massen. Der Zug kam sogar vier Minuten zu früh!

Heute war der Streik definitiv angekündigt. Ich bin auch gar nicht erst zum Bahnhof gefahren sondern direkt auf die Autobahn. Im Radio gab es dann immer wieder die selben Pressetexte. Über 60% Ausfall bei S-Bahn, 50% Ausfall bei Regionalexpressen. Man sollte bei Bahn.de schauen wie die Züge fahren. Aber auf die Aussagen sollte man sich nicht verlassen.

Die Situation auf den Autobahnen von NRW ist auch nicht unbedingt besser: Stau in allen Ausprägungen, zäh fließender Verkehr, genervte und entnervte Auto- und Schwerlastfahrer… So ähnlich wie Love Parade, nur größer und anders. Dafür gibt’s morgens mal fette 175km Stau, weiter wachsend.

Ich freue mich schon auf die Heimreise. Zumindest ist es heute in der Firma ziemlich leer.

Mal wieder Streik

Bereits Anfang der Woche angekündigt, treten die Bahn-Mitarbeiter der GDL heute von 8 bis 11 Uhr in den Streik. Ich bin deswegen schon etwas früher aufgestanden und war der erste in der Firma. Bis auf Service-Mitarbeiter im Düsseldorfer Hauptbahnhof, habe ich nichts gesehen. Ein Nachtzug hat bereits 80 Minuten Verspätung.