Ganz schön ins Schleudern gekommen

Zu meinem dreißigsten Geburtstag habe ich von meinen lieben Freunden einen Gutschein für ein ADAC Fahrerintensivtraining geschenkt bekommen. Heute war nun endlich der Tag, den Gutschein in die Tat umzusetzen. Meine Freundin hat sich kurzentschlossen gestern noch eingeschrieben und wir teilen unseren Tigra auf der Piste.

FSZ Grevenbroich FSZ Grevenbroich

Der Tag fing früh an, der Wecker hat um 5 Uhr geschellt. Mit dem Berufsverkehr, dem Osterreiseverkehr und den Baustellen auf den Autobahnen musste ich um viertel vor sieben losfahren. Das hat leider nicht ganz geklappt, trotzdem sind wir noch pünktlich im Fahrsicherheits-Zentrum in Grevenbroich angekommen.

Die Theorie-Einheiten sind kompakt und man kommt schnell auf die Strecke. Dort wird man schnell sehr intim mit seiner Bremse und wird an elementare Dinge der Fahrschule erinnert: Die perfekte Sitzhaltung. Die Praxiseinheiten bauen auf einander auf. Man bremst, man bremst nass, man lenkt, man lenkt nass, bremst und lenkt nass… und schließlich: Die Platte. Man schleudert unvermittelt nach links oder rechts auf nasser Fahrbahn.

FSZ Grevenbroich FSZ Grevenbroich

Der ganze Tag von 8:30 bis 18:00 Uhr nimmt einen ganz schön mit. Adrenalin, Konzentration, Anstrengung in Armen und Beinen, vor allem beim Bremsen. Dafür gibt’s mittags in der Gastronomie ein sehr passables Mittagsessen, das sein Geld wert ist. Allerdings sollte man sich eine Butterstulle und eine Flasche Wasser einpacken. Der Kaffee für einen Euro, das Wasser für zwei Euro, das geht ins Geld über den Tag gerechnet.

Alles in allem ist der Kurs unbedingt empfehlenswert, Trainer und Teilnehmer waren prima, die Strecke in Grevenbroich ist eine der besten. Was habe ich gelernt? Vorsichtiger fahren, Gefahren vorher vermeiden, Sommerreifen sind schlechter auf nassem Grund als Winterreifen. Und: 205’er Reifen haben ein schmaleres Profil auf der Straße als 195’er Reifen. Klingonisch, ist aber so.

FSZ Grevenbroich

„Eine Cola Light, bitte“ – „So etwas führen wir hier gar nicht!“

Am Wochenende habe ich mich mit meiner Freundin in eine Seitengasse in der Essener Innenstadt ziehen lassen um dort im „Seitenblick“ etwas zu essen. Die erste Karte, die ich in die Hand bekommen habe, war die Getränkekarte. Die ist so ausführlich wie sonst woanders die Speisekarte und bietet jede Form von Saft, Heißer Schokolade und Wein an. Da wären wir schon bei den drei Spezialitäten: Frische Säfte von Streuobstwiesen, exzellenter Wein und eine Heiße Schokolade in allen Variationen.

Gut, die Getränkekarte war zugegebenermaßen zu groß für mich, ich hatte hunger! Also wartete ich myrrisch auf den Kellner um das Vorgeplenkel um die Getränke auszufechten und die Speisekarte einzufordern. Meine Getränkewahl fiel uninspiriert auf eine Cola Light. Stille. Nach einer Sekunde schaute der Kellner mich an, als ob ich auf den Tisch gekackt hätte und sagte: „So etwas führen wir hier gar nicht“. Mein Leben schoss an mir vorbei. Vornehmlich die letzten fünf Minuten, ich versuchte mich zu erinnern, was hier wohl in der Getränkekarte steht… wenn keinen Cola… Bionade! Holunder bitte.

Ich hoffe, das passiert öfter: Das Konzept des Seitenblick ist es, ein möglichst gesundes Mahl zu bereiten mit frischen und biologischen Produkten. Das Konzept, sich an süddeutschen Bauernschänken zu orientieren, fiel mir nicht sofort auf. Der Steinkrug, der die Apfelschorle meiner Freundin beherbergte, hätte mich drauf bringen können. Der Flammkuchen auch, der übrigens hervorragend geschmeckt hat. Der Beilagensalat war zunächst gewöhnungsbedürftig, da ich gewohnt bin, das Dressing als Hauptkomponente zu sehen und die Salatblätter als Beiwerk. Hier konnte der Salat im Duett mit frischen Kräutern seinen Geschmack entfalten und wurde dezent vom Kirschbalsamiko unterstützt. Sehr lecker!

Alles in allem ist das Seitenblick ein Lokal, das ich uneingeschränkt empfehlen kann. Leckeres, gesundes Essen, sehr gute Getränke und beim nächsten Mal versuche ichs mit Fanta.

Spam der Woche: Nachbarschaftsdienst

Eigentlich achte ich nicht auf die Links im gmail-Account, die in der WebClip-Zeile angezeigt werden. Es sind abwechselnd Nachrichten und Werbe-Links. Wie zum Beispiel zu dem Dienst, den ich jetzt beschreiben möchte. Er wirbt damit, meine Nachbarschaft besser kennenzulernen.

Alles fängt harmlos an: Es gibt eine bunte Webseite mit einem Formular, mit dem man augenscheinlich suchen soll. Ich möchte nicht ganz so viel von mir preisgeben, also erstmal nur die Postleitzahl. Dank AJAX kommt dann auch flux meine Stadt ins Formular. Reicht ihm nicht, er möchte auch Straße und Hausnummer. Gut, auch noch eingetippt. Geburtsdatum? Naja, meinetwegen. E-Mail-Adresse? Wofür denn jetzt, ich will doch nur Nachbarn suchen…? OK, es gibt AGBs und Datanschutz-Erklärung, also noch meine Spam-Adresse angegeben.

Bekomme ich jetzt Nachbarn zu sehen? Natürlich nicht. Und warum? Ich bin so mutig zu behaupten, es kommt dem Dienst gar nicht darauf an. Gar nicht groß versteckt direkt auf der Hauptseite steht, dass der Dienst 14 Tage kostenlos ist und danach 9 Euro monatlich für 24 Monate fällig werden. Kurz gerechnet: 216 Euro, cash in die Tesch.

Ich habe immer noch keine Mail bekommen, aber jetzt ist die zumindest schonmal im Spam-System drin. Die Datenschutzbedingungen zitieren einschlägige Disclaimer mit Bezug auf die deutschen Gesetzesbücher Teledienstdatenschutzgesetz und Bundesdatenschutzgesetz. Ein paar Seiten weiter im Impressum habe ich ein leichtes Deja Vu. Der Dienst wird von der netsolution FZE in Dubai (Postfach 4404 in den Twintowers) betrieben und eine schweizer Firma in Ascona macht die technische Umsetzung. Mit deutschem Datenschutz und „.net“-Adresse.

Witzig ist die Wiederrufsbelehrung in den AGBs. Man hat den Wiederruf in Textform zu richten an: (Anschrift in Dubai), (Anschrift in der Schweiz), (E-Mail in der Schweiz). Ah, das hört sich einfach an. Schreibe ich die in Dubai an oder eine Mail in die Schweiz? Egal… Das Widerrufsrecht erlischt ohnehin (laut AGB) wenn ich den Dienst genutzt habe. Ich bin kein Jurist, aber das ist nicht ganz im Sinne des Erfinders. Und dann diese Templates… „Sämtliche datenschutzrechtlichen Gesetze und Bestimmungen werden von (Name des Nachbarschaftsdienstes) genauestens befolgt.“

Bleibt mir nur, alle Leute zu mahnen und zu warnen, aufmerksam das Kleingedruckte zu lesen. Dann müsst ihr euch nicht in einschlägigen Foren wiederfinden:

Update, 11.11.07: Ich habe eine Mail erhalten, auf die ich mit einem Widerspruch mit Hinweis auf §119 BGB reagiert habe.

Wandel im Konsumverhalten

Als ich vom Saturn gehört habe, dass man Schluss macht mit „Geiz ist geil“, hatte ich mir mehr davon versprochen. Es wurde einfach nur der „Claim“ ausgetauscht: „Blue“ gegen Veronica Hugo, die nackt und digital verfremdet die Vorlieben und Abneigungen der Marketingabteilung vorträgt.

Der Weg ist allerdings erkennbar: Weg vom billig um jeden Preis, hin zu Qualität zum günstigen Preis. Dazu passt auch die TV-Kampagne von IKEA. Dort wird das Leben eines Jungen gezeigt wie er aufwächst und zum Studenten mutiert und die rustikal-dunkle Holzküche bleibt und bleibt. Gut, das war bei uns auch so, wir hatten ja nichts damals. Die Werbeaussage ist: eine Küche für unter 5000 Euro kann 25 Jahre halten.

Ein anderes Beispiel ALDI, die kürzlich einen 4seitigen Hochglanzbeileger in den Zeitungen hatten. Dort die schöne Welt der Unterhaltungselektronik vom PC bis zum Großbild-Fernseher. Die Produktfotos der meist in schwarzer Klavierlack-Optik gehaltenen Produkte erinnert eher an Apple Inc. als an schmierige Gemüsetheken. Durch die Bezeichnung der neuen Produktlinie bekommt der exklusive Anstrich noch ein Ausrufungszeichen: Medion Life. Klingt wie Lifestyle, sieht so aus, ist trotzdem ALDI.

Ich wundere mich, ob die Menschen jetzt wirklich mehr verdienen als 2000, als der Geiz-Wahn anfing. Ob die schöne neue Produktwelt wirklich auch die Qualität hält, die vermittelt wird und ich frage mich, wann Service wieder groß geschrieben wird. Außer der Elektronik-Kette „Expert“ wirbt niemand mit Beratung. So steht man in IKEA, ALDI, Saturn und Media Markt auch meist alleine da. Wenn das Angebot überall vergleichbar ist und der (anspruchsvollere) Kunde die Definition von Qualität gelernt hat, muss es ein weiteres Unterscheidungsmerkmal geben.

Flock 1.o final

Nur als kurzer Hinweis, Flock ist seit dem gestrigen 3. November in einer 1.0-Version final. Die Features unterscheiden sich nicht vom kürzlich getesteten Flock 1.0 RC3. Man kann problemlos neue Dictionarys herunterladen. Allerdings ist bloggen mit Flock und WordPress bei mir nicht ganz fehlerfrei.

Auch schlecht finde ich die Lokalisierung in andere Sprachen. Die aktuellste Version gibt es nur in Englisch. Auf Spanisch und Slowenisch kann man die 0.9’er runterladen. Der Rest mit Deutsch, Französisch, Russisch, etc. ist nur in der uralten 0.7-Version verfügbar.

Neue Werbeform entdeckt

Mobile Projektionsfahrzeuge! Vor ein paar Minuten bin ich nach Hause gekommen und wundere mich über eine Projektion auf dem gegenüberliegenden Haus. Ob vielleicht jemand mit dem Beamer spielt?

Als die Projektion sich dann bewegt hat, war langsam klar, dass es aus einem Auto heraus kommt. Ein schwarzer VW-Minivan hatte einen schräg nach oben gerichteten Projektor mit Fanta-Reklame.

Es liegt eigentlich auf der Hand, in der dunklen Jahreszeit und wo es so viele Staus in der Innenstadt gibt, solche Guerilla-Reklame zu fahren. Warum bin ich nicht darauf gekommen?

Blogged with Flock

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GMail kann IMAP

Nachdem die Speicherkapazität von GMail erhöht wurde, der nächste Schritt: IMAP-Unterstützung. Beim Abfruf von Mail-Accounts gibt es zwei Standards: POP und IMAP. Der Unterschied ist, dass es bei IMAP u.a. auch Ordnerstrukturen gibt, wobei POP nur eine Inbox kennt.

Aber was bringt IMAP wenn GMail gar keine Ordner unterstützt? Sie sind im Design explizit ausgeschlossen. Die Antwort ist einfach: Die Labels sind als Ordner in IMAP dargestellt. Label definiert man selbst und kann sie den einzelnen Mails zuweisen, ähnlich wie Tags bei Flickr oder Blogs. Wenn meine Mail die Keywords (Labels) „ebay“, „Bestellung“ und „todo“ enthält, ist sie in allen drei Ordnern vorhanden.

Dazu gibt es noch den gewohnten Posteingang und einen System-Ordner „Google-Mail“. Dieser enthält dann den Abfalleimer, versendete Nachrichten, Spam und mit Stern markierte Mails. Eine „Archivierung“ (entfernen aus der Inbox ohne zu löschen) ist mit Thunderbird nicht ohne weiteres möglich. Eine Mail wird in Trash verschoben, im Web ist dann ein neues Keyword „[Imap]/Trash“ vorhanden. Statt aus der Inbox zu löschen, muss man die Mail nach „[Google-Mail]/All Mail“ verschieben.

Man verliert zwar die im Web liebgewonnene Konversationen-Ansicht, aber die IMAP-Unterstützung ist ein Schritt in die richtige Richtung. Damit können auch Mobiltelefone unterstützt werden, die auf Windows Mobile laufen oder keine (gute) Java-Unterstützung haben.