Reise nach Jerusalem

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Katholiken sterben aus, Moslems erobern die Welt

Posted by Florian - 6. April 2008

Reißerischer kann man Überschriften kaum noch gestalten. Gut, man kann, aber dann muss man schon bei der BILD-Zeitung gelernt haben. Aber kommen wir zu den Fakten. Der Vatikan hat durchgezählt, geschätzt und Statistiken gewälzt und selbst geschrieben und am Ende kommt raus, dass es bereits 2006 weltweit mehr Muslime als Katholiken gab. Was für eine Nachricht.

Aber die eigentliche Nachricht passiert erst im Kopf. Aus der statistischen Erhebung des Vatikans wird ein Angriffskonzept. Allein die offizielle Erklärung, wie es zu dem Machtwechsel kommt: Islamische Länder haben ein größeres Bevölkerungswachstum.

Auch interessant, wie man auf die Nachricht reagiert. Ein Kollege von mir sagte spontan: „Dann ist ja bald wieder Zeit für einen Kreuzzug„. Wie wahr, wenn man sich nicht selbst vermehrt, sorgt man dafür, dass der andere es auch nicht kann. So kommt man unumwunden auch zu den Krisengebieten im Iran, Irak, Afghanistan, Indien und wo sonst noch Muslime leben. Ein Schimmer von Tibet schwingt auch noch mit.

Die Statistik des Vatikans lässt allerdings noch nicht alles vorbei sein. Man rechnet mit einer 33%igen christlichen Weltbevölkerung. Wobei nicht nur ich mir die Gretchenfrage stelle. Im Forum des Tagesspiegels fragt ein „lukas“ kritisch nach:

Die Frage ist doch: Wieviele wahre Katholiken gibt es? Wieviele Menschen nehmen tatsächlich das Apostolische Glaubensbekenntnis ernst, demnach Jesus tatsächlich seine eigene, durch den Heiligen Geist inseminierte, Mutter defloriert habe, sowie drei Tage nach Ableben vollständig reanimiert himmelwärts fuhr und nun seit beinahe zweitausend Jahren rechts seines Papis sitzt? (…) Wer dies nicht für bahre Münze nimmt, mag vielleicht Vereinsmitglied sein, ist aber kein gläubiger Katholik! (Noch, nebenbei, evangelischer Christ.)

Eine Aufrechnung in fanatische Christen, fanatische Juden und fanatische Muslime möchte ich allerdings nicht berechnet sehen. Auch die Möglichkeit eines Kreuzzuges möchte ich nicht in Anspruch nehmen. Wobei ich kürzlich erst in der Zeitung von den neuesten El-Kaida Marketingmaßnahmen gelesen habe: Al-Sawahiri beantwortet Leserfragen. Und dabei fällt es ihm auch aus dem Bart, dass „Kreuzfahrer“ in Irak und Afghanistan sind.

Ich bin ihm dankbar für das Wort, das ich bisher nur mit Traumschiff und Südsee in Zusammenhang gebracht habe. Wie Straßenkreuzer. Dass die Kreuzfahrt ein Kreuzzug zu See sein könnte, … ich bin manchmal naiv.

Übrigens, die Nachricht stand mal wieder zuerst auf Spiegel Online. Nachdem Telepolis die Nachricht übernahm, hat die taz zum ersten April eine winzige Textbox auf der zweiten Seite geschrieben.

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Sach mal, merkst du noch was?

Posted by Florian - 30. Januar 2008

Manchmal dauert es seine Zeit bis man eine gewisse Reife erlangt hat. Oder den Standpunkt des anderen versteht. Oder einen Fehler einsieht. Manchmal passiert es aber auch gar nicht. Es kann aber auch vorkommen, dass es einfach nur verdammt lange dauert.

Zwölf Tage, zum Beispiel, kann es dauern, bis ein B- bis C-Prominenter für die Quote eine TV-Show verlassen muss. DJ Tomekk hat vor dem Einzug ins Dschungel-Camp im Hotel in Australien die erste Strophe des Deutschlandlieds gesungen, wobei er auf der Stelle marschiert ist und die rechte Hand zum Hitlergruß erhoben hat. Die unwirkliche Szene endet mit dem Kommentar: „So viele Ausländer hier im Haus“. (BILD, BILDblog, tazblog) Es ist schwer zu glauben, dass diese Szenen gefilmt wurden ohne dass RTL es gemerkt hätte. Oder dass RTL diese Szenen erst 12 Tage nach dem Einzug gesehen hat. Oder dass es ein Skandal sein soll, dass jemand einen schlechten Witz oder eine unpassende Bemerkung gemacht hat. Um es mit einem unbestätigten Lübbke-Zitat zu sagen: „Meine Damen und Herren, liebe Neger.“

Manchmal dauert es allerdings auch mehrere Jahrhunderte bis man einen Fehler eingesteht. Wie bei der katholischen Kirche und Galileo Galilei bezüglich des Kopernikanischen Weltbilds. Galileo ist nicht nur eine Wissenssendung für geistig geforderte („Der perfekte Pfannkuchen“, „Würfel-Hotel“, „Bratwurst-Rutsche“) sondern war ein italienischer Naturwissenschaftler im 16. Jahrhundert. Er hat es sich damals mit der Kirche verscherzt, indem er das super-moderne Weltbild vertreten hat, dass die Welt keine Scheibe sondern rund ist, zusätzlich dreht sich die Erde um die Sonne und nicht umgekehrt.

Galilei wurde Opfer der Inquisition des Heiligen Offizium und musste seine Thesen verwerfen. Die katholische Kirche wollte nicht eingestehen, dass die Welt keine Scheibe ist. Die Gestirne haften wie Lichter an einer Art Käseglocke und die Sonne dreht sich um die Erde, die das Zentrum des Universums ist, Punkt. Das war 1633. Ein paar Jahre später (1979) ließ ein gewisser Papst Johannes Paul II. diesen Fall prüfen, indem er die Päpstliche Akademie der Wissenschaft mit der Aufklärung betraute. Wenig später kam man im Oktober 1992 dann zum Schluss: Galilei hatte vielleicht doch recht, ’schuldigung. Zwei Tage später wurde Galileo Galilei rehabilitiert. (wikipedia)

Am besten fand ich aber die Aussage von Sayyed Muhammad Hussein Fadlallahm, dem geistigen Oberhaupt der Schiiten im Libanon, die ich in der taz gelesen habe: „Eine muslimische Frau darf in Selbstverteidigung zurückschlagen, wenn sie von ihrem Mann geschlagen wird“. Ich will nicht behaupten, dass der Islam eine frauenfeindliche Kultur pflegt, aber diese Aussage ist für sich genommen revolutionär. Die vollkommen unislamische Schweiz hat selbst erst 1971 das Frauenwahlrecht eingeführt, also brauchen wir uns nicht über Frauenfeindlichkeit streiten. Es bedeutet, dass Frauen gleichberechtigt sind, ein Konzept wofür Generationen von Frauen in der westlichen Welt jahrzehntelang gekämpft haben. Es bedeutet, dass Gewalt gegen Frauen kein Tabuthema sein darf und verboten gehört. Und es bedeutet auch, dass Frauen Männer schlagen können und dürfen. Aber das weiß Stefan Raab schon länger.

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