Vodafone am Bahnhof Zoo

Endlich hat Vodafone es auch geschafft, emotionale Werbung zu erstellen. Die Telekom hat es vorgemacht und Blumen in einer Stadt regnen lassen. Jetzt wird man mit Vodafone zum Held.

Die Musik von David Bowie alleine trägt schon viel Emotion. Die Talking Heads in dem Spot sind allerdings Understatement pur. Man erkennt oder kennt die Personen nicht, wie zum Beispiel Sascha Lobo, Robert Basic und weitere in der Szene bekannte Blogger, Extremsportler Jürgen Mühling, Musiker und Interner-Star Ragnar Sólberg, quasi jede Person in dem Spot ist eine Internetpersönlichkeit.

So findet man natürlich den Weg zum jungen Publikum. Man ist hip, ja fast schon modern. Und man kann ein Held für einen Tag werden. Schöne Musik!

Allerdings peinlich wenn das alte Publikum, so wie ich, den Song kennt. Gerade die Version, in der David Bowie den deutschen Text singt. Dann denkt man auch an Bahnhof Zoo, Prostitution, Drogensumpf und den Ausweg in einer Überdosis. Alles zu sehen „Die Kinder vom Bahnhof Zoo“, dem Film über das Leben der Christiane F.

Überraschend, dass ein Weltkonzern wie Vodafone das Lied nicht auf diese Referenzen geprüft hat. Oder es ist egal gewesen. Ich weiß zufällig, dass Coca Cola sehr genau auf Zusammenhänge zwischen Musik und Marke wacht und es nicht akzeptieren würde mit Gangster-Rappern Werbung zu machen oder in Zusammenhang gebracht werden möchte.

Am Ende bleibt eine emotionale Internet-Kampagne von Vodafone, die tatsächlich im Jetzt angekommen zu sein scheinen. Hier noch ein wenig „Making-Of„.

„Wir machen, dass die Luft stinkt“

Manchmal haben Firmen ganz komische Werbeslogans. Oder Claim wie der Fachmann sagt. eon Ruhrgas zum Beispiel. Die machen Werbung mit „Wir können Erdgas.“ Der Satz ist zu Ende. Also, nicht grammatikalisch, aber der Werbetexter wurde nur für drei Worte bezahlt, danach war Schicht im Schacht. Eigentlich auch ein guter Claim: „Schicht im Schacht – Ruhrkohle AG“.

Das St. Elisabeth Krankenhaus, genau gegenüber von eon Ruhrgas, hat da noch einen draufgelegt. In subtiler Anlehnung steht auf einem Transparent, keine 500 Meter entfernt: „Wir können Gesundheit.“

Wir können Erdgas. Wir können machen, dass die Luft stinkt
„Wir können Erdgas“ – Original „Wir können machen, dass die Luft stinkt. Erdgas.“- Variation von mir
Wir können Erdgas. Wir können Gesundheit.
„Wir können Erdgas.“ – eon Ruhrgas „Wir können Gesundheit.“ – St. Elisabeth Krankenhaus

Wandel im Konsumverhalten

Als ich vom Saturn gehört habe, dass man Schluss macht mit „Geiz ist geil“, hatte ich mir mehr davon versprochen. Es wurde einfach nur der „Claim“ ausgetauscht: „Blue“ gegen Veronica Hugo, die nackt und digital verfremdet die Vorlieben und Abneigungen der Marketingabteilung vorträgt.

Der Weg ist allerdings erkennbar: Weg vom billig um jeden Preis, hin zu Qualität zum günstigen Preis. Dazu passt auch die TV-Kampagne von IKEA. Dort wird das Leben eines Jungen gezeigt wie er aufwächst und zum Studenten mutiert und die rustikal-dunkle Holzküche bleibt und bleibt. Gut, das war bei uns auch so, wir hatten ja nichts damals. Die Werbeaussage ist: eine Küche für unter 5000 Euro kann 25 Jahre halten.

Ein anderes Beispiel ALDI, die kürzlich einen 4seitigen Hochglanzbeileger in den Zeitungen hatten. Dort die schöne Welt der Unterhaltungselektronik vom PC bis zum Großbild-Fernseher. Die Produktfotos der meist in schwarzer Klavierlack-Optik gehaltenen Produkte erinnert eher an Apple Inc. als an schmierige Gemüsetheken. Durch die Bezeichnung der neuen Produktlinie bekommt der exklusive Anstrich noch ein Ausrufungszeichen: Medion Life. Klingt wie Lifestyle, sieht so aus, ist trotzdem ALDI.

Ich wundere mich, ob die Menschen jetzt wirklich mehr verdienen als 2000, als der Geiz-Wahn anfing. Ob die schöne neue Produktwelt wirklich auch die Qualität hält, die vermittelt wird und ich frage mich, wann Service wieder groß geschrieben wird. Außer der Elektronik-Kette „Expert“ wirbt niemand mit Beratung. So steht man in IKEA, ALDI, Saturn und Media Markt auch meist alleine da. Wenn das Angebot überall vergleichbar ist und der (anspruchsvollere) Kunde die Definition von Qualität gelernt hat, muss es ein weiteres Unterscheidungsmerkmal geben.

Neue Werbeform entdeckt

Mobile Projektionsfahrzeuge! Vor ein paar Minuten bin ich nach Hause gekommen und wundere mich über eine Projektion auf dem gegenüberliegenden Haus. Ob vielleicht jemand mit dem Beamer spielt?

Als die Projektion sich dann bewegt hat, war langsam klar, dass es aus einem Auto heraus kommt. Ein schwarzer VW-Minivan hatte einen schräg nach oben gerichteten Projektor mit Fanta-Reklame.

Es liegt eigentlich auf der Hand, in der dunklen Jahreszeit und wo es so viele Staus in der Innenstadt gibt, solche Guerilla-Reklame zu fahren. Warum bin ich nicht darauf gekommen?

Blogged with Flock

Tags: ,

Noch mal deutsch richtig falsch

Beruflich habe ich gerade damit zu tun, eine Dokumentation zur Endkunden-Pflege in englisch zu schreiben. Für ein Australisches Unternehmen. Obwohl ich mir Mühe gegeben habe, möglichst natürliches und trotzdem elaboriertes Englisch zu verwenden, war das Urteil „poor english“.

Wenn ich mir die Seite ansehe, die ich jetzt durch Werbebanner gefunden habe, sehe ich wo es hingeht, wenn man nicht „native speaker“ übersetzten lässt. Die Seite ist ein kommerzielles Angebot eines Sportbekleidungs- und -zubehör-Händlers aus England namens „Sports HQ“.

Direkt auf der Eingangsseite werde ich begrüßt mit „Sie können uns auf 0044 1527 …. kontaktieren“. Das hört sich gut an! Öffnungszeiten stehen auch direkt drunter. Ob meine oder deren, weiß ich nicht: „öffnen Sie Montag zu Freitag 9:00 am to 17:30 pm“. In astreinem deutsch geht es dann im Fließtext weiter: „Welcome to The Sports HQ Group / The Sports HQ is a supplier….“.

Eine Aktion! „Zur Ausklang der Saison“ Sommerschlußverkauf… so richtig deutsch… „BIS AUF 80% RABATT“. Das hört sich an wie beim Baumarkt, „alles außer Tiernahrung“. Achso, die Sprache darf man auch wählen: „Wählen Sie Sprache: German“. German der Etrusker.

OK, aber wer isn das jetzt. „Ueber uns“: „Gegründet in Großbritannien, The Sports HQ ist die europaeische Abteilung fuer Confidence Sporting Goods Inc – der berühmte Hersteller aus Palm Springs Kalifornie, der Qualitätssporting Waren für 35 Jahre gebildet hat.“ Herrlich: „Kalifornie„…

Man ist auch schon ganz euphorisch auf die neue Kundenbeziehung: „Wir danken Ihnen fuer Ihre Bestellung und wir freuen uns sehr jahrelang Ihnen zu bedienen.“ Leichte Bedenken bekomme ich bei diesem Satz: „Klicken Sie hier fuer unser Geschaeftsbedingungen.“ Der Satz ist ok. Es fehlten die Geschäftsbedingungen!

Die werden wahrscheinlich gerade noch übersetzt. Keine böse Unterstellung, aber der Link ist in der Menüleiste nochmal aufgeführt und zeigt auf eine leere Seite. Oder die meinen das ernst.